12.02.2020

Eichrecht – Gesetzgeber fordert mehr Transparenz

Das Wachstum der vollelektrischen Fahrzeuge wirkt sich nicht nur auf das bestehende Ladenetz aus, sondern sorgt auch in der Gesetzgebung für einige, nicht außer Acht zu lassende, Erneuerungen. Hervorzuheben ist hier das bereits zum 1. Januar 2015 in Deutschland in Kraft getretene Mess- und Eichgesetz (MessEG). Insbesondere Charge-Point Operator (CPO) und Elektro-Mobilitäts-Provider (EMP) werden durch neue Regularien vor immer größere Herausforderungen gestellt. Denn ab sofort gilt - in Deutschland dürfen nur noch Ladesäulen betrieben werden, welche dem Eichgesetz entsprechen.
eichrecht messung

E-Mobilität boomt - alleine mit den bestehenden Aktivitäten, ohne zusätzlichen Förderungen der Elektromobilität rechnet das Umweltbundesamt im Sachstandsbericht Mobilität 2019, im Auftrag des BMVIT (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie), bis zum Jahr 2020 mit etwa 70.000 vollelektrischen Fahrzeugen (BEV1) und Plug-In-Hybridfahrzeugen (PHEV2). Im Jahr 2030 liegen die Prognosen bei knapp 1,2 Mio. voll- und teilelektrischen Fahrzeugen, 2050 beinahe 4,5 Mio. BEV und PHEV. Der Aufschwung in der Elektromobilität spiegelt sich unter anderem durch Neuerungen in der Gesetzgebung, vor allem durch das in Kraft getretenen Mess- und Eichgesetz (MessEG), wider.

Das Mess- und Eichrecht schafft eine transparente Basis

Das Mess- und Eichrecht bildet eine rechtlich verpflichtende Grundlage, um Messergebnisse dem Kunden korrekt anzuzeigen und abzurechnen. Für den Ladeinfrastrukturnutzer muss es möglich sein, vor und nach dem Ende eines Ladevorgangs den tatsächlichen, nachweislichen unverfälschten Messwert der Transaktion einzusehen. Ziel ist es direkt nach dem Ladevorgang zu wissen, wie viel elektrische Energie bezogen wurde beziehungsweise wie viel Zeit der Ladevorgang in Anspruch genommen hat. Das spiegelt sich auch in der Übertragung der Messwerte der Ladesäule in das Backend (Cloud) wider. Diese müssen stets beweissicher und unverfälscht hinterlegt sein.

Die Flexibilität des Infrastrukturbetreibers wird somit eingeschränkt. Für CPOs und EMP bedeutet das, sobald nach Kilowattstunden verrechnet wird, greift das Eichrecht. Hier gilt es Klarheit und Transparenz zu schaffen, um gemeinsam mit kompetenten Partnern, wie SMATRICS, Lösungen zu entwickeln.

eichrecht elektrotankstelle

Wer Strom über kWh abrechnet, braucht eine Anlage, welche dem Eichrecht entspricht

Jede Ladestation, die in Deutschland verkauft wird, unterliegt diesen Regularien. Die Gesetzgebung schreibt weiter vor, dass in Deutschland nur noch Ladesäulen betrieben werden dürfen, die dem Eichrecht entsprechen. Bestehende Anlagen dürfen unter bestimmten Umständen weiter betrieben werden, müssen aber in einem vorgegebenen Zeitraum nachgerüstet werden.

Mittel- bis langfristig muss die Anlage aber wohl umgerüstet werden. Eine Option bietet sich durch das Anbringen eines Sichtfensters auf einen geeichten Zähler sowie lokaler Speicherung inkl. Möglichkeit einer lokalen Reproduktion – die weitere Validation und Dokumentation der Messwerte erfolgt im Anschluss durch den Nutzer direkt an der Ladestation vor Ort. Die Alternative dazu ist die Lösung mit einer nachgelagerten Prüfung mittels Transparenzsoftware der Ende-zu-Ende unverfälschten bzw. signierten Messwerte.

 
Folgende Mindestbestandteile muss ein Datensatz an der Anzeige aufweisen:
  • Messwerte (z. B. Anfangs- und Endzählerstand oder Differenz)
  • Einheit des Messwerts
  • Zeitstempel
  • eindeutige ID der Ladevorrichtung
  • Identifikation des Kunden / der Transaktion

Transparenzsoftware

Die Eichrechtskonformität betrifft nicht nur die Ladeinfrastruktur primär, sondern die gesamte Kette der Messwerteverarbeitung / Ende-zu-Ende: von der eigentlichen Messung an der Ladestation bis hin zur transparenten Verrechnung an den Endkunden. Dem Kunden soll es ermöglicht werden, die zur Verrechnung herangezogenen Messwerte (kWh) auf Korrektheit und Vollständigkeit überprüfen zu können. Am Markt hat sich dazu die Lösung mittels Ende-zu-Ende Signatur und zugehöriger Transparenzsoftware durchgesetzt.

Der Messwert wird an der Ladestation erfasst, signiert und in der Kommunikation vom CPO zum EMP entsprechend übertragen. Über die Transparenzsoftware und einen Hinweis auf der Rechnung hat der Endkunde die Möglichkeit, die digitalen Signaturen der Messwerte vom EMP einzuholen und auf Korrektheit zu überprüfen. So kann sichergestellt werden, dass die erfassten kWh-Werte korrekt verrechnet wurden.

Der S.A.F.E.-Verein (Software Alliance for E-Mobility), eine offene Initiative aller Marktteilnehmer der E-Mobilität, hat diese Software entwickelt. Sie ist der hardwareunabhängige Branchenstandard. Als wettbewerbsneutrale Instanz stellt der Verein diese Software allen Akteuren aus dem Elektromobilitätsmarkt diskriminierungsfrei zur Verfügung: Herstellern für die Baumusterprüfung ihrer Ladeinfrastruktur, Elektromobilisten, um ihre Rechnungen zu prüfen oder auch E-Mobility Providern, um die relevanten Daten mit in ihre Prozesse aufzunehmen.

Fazit

Das Eichrecht ist auf jeden Fall ein nicht außer Acht zu lassendem Thema in der Branche. Es muss Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass es sich dabei um einen langwierigen Prozess handelt, der es auch erfordert sorgsam mit der bestehenden Infrastruktur bzw. den bestehenden Ressourcen umzugehen. Mit der langjährigen Erfahrung unterstützt Sie SMATRICS mit seiner Expertise und zeigt Ihnen den erfolgreichen Weg durch den Paragraphen-Dschungel.

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