15.04.2016

VCÖ Studie zu Elektromobilität
90% der Autofahrten können elektrisch gefahren werden

Eine neue Mobilitätserhebung des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) zeigt, dass fast alle Autofahrten in Österreich voll-elektrisch mit einem E-Auto gefahren werden können. Denn drei Viertel der Erwerbstätigen in Österreich legen täglich weniger als 20 Kilometer für Autofahrten in die Arbeit zurück – Distanzen, die E-Autos mit Reichweiten von über 120 Kilometern problemlos bewältigen.
SMATRICS High-Speed Ladestation

Fast alle Autofahrten in Österreich könnten mit Elektroautos zurückgelegt werden, stellt der VCÖ fest. So zeigen Mobilitätserhebungen der Bundesländer, dass unter der Woche weniger als fünf Prozent der Autofahrten länger als 50 Kilometer sind. Die Reichweite von E-Autos beträgt 150 Kilometer oder mehr. Im Schnitt ist eine Autofahrt kürzer als 15 Kilometer. Der Klimavertrag von Paris bedeutet, dass spätestens im Jahr 2050 der Verkehr ohne Erdöl funktionieren muss. Der VCÖ fordert die Erstellung einer Roadmap mit klaren Zwischenzielen für die Erreichung eines erdölfreien Verkehrssystems.

E-Autos optimal für Alltagswege

"Der Großteil unserer Alltagswege ist kurz und damit sind auch die meisten Autofahrten viel kürzer als allgemein angenommen wird. Schon mit der heutigen Reichweite könnten fast alle alltäglichen Autofahrten mit E-Autos gemacht werden", stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. So ist jeder zweite Arbeitsweg kürzer als zehn Kilometer, drei Viertel der Erwerbstätigen haben weniger als 20 Kilometer in die Arbeit und neun von zehn Arbeitswegen sind kürzer als 50 Kilometer. Nur fünf Prozent haben einen Arbeitsweg, der länger als 100 Kilometer ist. Für längere Urlaubsreisen mit dem Auto sind Schnellladestationen, die ein rasches Auftanken ermöglichen, nötig. Ein solches Schnellladenetz ist dank SMATRICS bereits heute flächendeckend in ganz Österreich verfügbar.

Der VCÖ hat Mobilitätserhebungen einzelner Bundesländer hinsichtlich der Länge von Alltagswegen und Autofahrten analysiert. So beträgt in Tirol die durchschnittliche Autofahrt unter der Woche rund zehn Kilometer, in Vorarlberg sind es 13 Kilometer. Die Autofahrten der Eisenstädter Bevölkerung sind im Schnitt zwölf Kilometer lang.

Autofahrten in allen Bundesländern sehr kurz

"Auffallend ist, dass in Österreich sehr viele kurze Strecken mit dem Auto gefahren werden", betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Im Burgenland werden innerhalb einer Gemeinde rund drei Viertel der Strecken mit dem Auto gefahren. Diese Distanzen sind nur wenige Kilometer lang. In Vorarlberg ist jede vierte Autofahrt weniger als drei Kilometer lang und fast die Hälfte der Autofahrten ist kürzer als fünf Kilometer und 97 Prozent der Autofahrten sind kürzer als 50 Kilometer. In Tirol ist unter der Woche jede zweite Autofahrt kürzer als 5 Kilometer und 98 Prozent der Autofahrten sind kürzer als 50 Kilometer. 40 Prozent der Fahrten, die länger als 50 Kilometer sind, legen die Tirolerinnen und Tiroler mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück.

Auch in der Stadt machen E-Autos Sinn

Auch in den Städten gibt es viele kurze Autofahrten, macht der VCÖ aufmerksam. Jede 5. Autofahrt der Grazer Bevölkerung ist kürzer als drei Kilometer, drei Viertel der Autofahrten sind kürzer als zehn Kilometer und 97 Prozent der Autofahrten sind kürzer als 50 Kilometer. Noch mehr kurze Autofahrten weist die Eisenstädter Bevölkerung auf: Hier ist sogar jede zweite Autofahrt kürzer als drei Kilometer, zwei Drittel kürzer als fünf Kilometer und rund 95 Prozent der Autofahrten sind kürzer als 50 Kilometer. Innerhalb Wiens ist eine Autofahrt im Schnitt rund sechs Kilometer kurz, jede zweite Autofahrt innerhalb Wiens ist kürzer als 5 Kilometer, 72 Prozent sind kürzer als 8 Kilometer. Acht von zehn Autofahrten der Wienerinnen und Wiener dauern kürzer als eine halbe Stunde. Nur sieben Prozent der Autofahrten sind länger als 60 Minuten.

Klimavertrag verpflichtet Österreich zum Handeln

Der VCÖ erinnert daran, dass mit dem Klimavertrag von Paris die Staatengemeinschaft eine Entkarbonisierung der Wirtschaft beschlossen hat. Bis zum Jahr 2050 braucht es ein Verkehrssystem, das ohne Erdöl und Erdgas funktioniert. Der VCÖ fordert daher für Österreich eine Roadmap mit klaren Zwischenzielen, um bis zum Jahr 2050 ein erdölfreies Mobilitätssystem zu erreichen. "Verstärkter Klimaschutz im Verkehr ist nicht nur eine Frage der ökologischen Notwendigkeit, sondern auch der wirtschaftlichen Vernunft. Weltweit werden in den kommenden Jahren klimafreundliche Technologien massiv nachgefragt werden. Wenn sich Österreich zum Kompetenzzentrum für klimafreundliche Mobilität entwickelt, dann wird die heimische Wirtschaft angekurbelt und es werden nachhaltig viele neue Arbeitsplätze geschaffen", betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

E-Auto-Zulassungen verdoppelt

In Österreich gibt es derzeit rund 9.000 Elektro-Autos. Die Zahl der neuzugelassenen E-Autos hat sich heuer im 1. Quartal gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres auf 992 mehr als verdoppelt. Wird die Herstellung, die Energieerzeugung sowie der Verbrauch beim Fahren betrachtet, dann verursachen E-Autos in Österreich im Schnitt um 60 Prozent weniger klimaschädliches CO2 als ein durchschnittlicher Pkw mit Verbrennungsmotor (Benzin, Diesel), betont der VCÖ.