23.07.2018
Kosten sparen durch Elektromobilität

TCO Vergleich: E-Auto vs. Verbrenner - eine Musterrechnung

Elektroautos gelten als teuer. Zu Unrecht, denn bei der Berechnung der Kosten reicht es nicht, sich nur die Anschaffungspreise anzuschauen. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sind die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer, die TCO.
Mann berechnet TCO eines E-Autos mit Taschenrechner

Die Entscheidung für oder gegen E-Autos ist in vielen Unternehmen direkt mit der Kostenfrage gekoppelt. Die Frage ist: Wie teuer sind E-Autos wirklich? Und da hilft es nicht, sich nur die Gestehungskosten der Fahrzeuge anzuschauen. E-Autos haben nämlich eine schlechte Startposition. Vergleicht man beispielsweise einen konventionellen Golf Variant 1,0 TSI mit einem elektrisch betriebenen Nissan Leaf Tenkna, so liegt zwischen den beiden Modellen ein Preisunterschied von 12.500 Euro. Obwohl beide Fahrzeuge in derselben Klasse liegen, ist der Nissan fast um die Hälfte teurer als der Golf. Also: Besser den Golf fahren, als sich auf den Nissan einlassen?

TCO-Berechnung gibt den Ausschlag

Die Frage muss man mit einem klaren Nein beantworten. Das zeigt eine Musterrechnung, die der TÜV Austria erstellt hat.

TCO Musterrechnung E-Auto vs. Verbrenner

1) Bei mehr als 124 g/km CO2 wird ein Sachbezug von 2 % gerechnet (Vorschlag der Steuerreformkommission)

2) Reine Elektrofahrzeuge können bis zu einem Anschaffungswert von 40.000 € komplett von der Steuer abgesetzt werden. Zwischen 40.000 € und 80.000 € wird ein Mischwert angesetzt. Bei einem Anschaffungswert über 80.000 € ist kein Vorsteuerabzug möglich

3) Annahme Nettokosten Mitarbeiter steuerliche Hinzurechnung 53 %

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Elektrofahrzeuge machen die hohen Anschaffungskosten nämlich in Summe durch eine ganze Reihe von Kostenvorteilen wieder wett. Beispielsweise durch günstige Wartungskosten. Konstruktionsbedingt gibt es deutlich weniger Verschleißteile. Und weil die Fahrzeuge die Bremsenergie durch die verstärkte Motorbremse wieder zurück in die Batterien speisen, werden sogar die Bremsbeläge geschont und leben länger. Unter dem Strich sinken die Wartungskosten so bis auf die Hälfte.

Strom um die Hälfte günstiger als Sprit

Weiterer Vorteil von E-Autos: die Treibstoffkosten. Elektroautos sind nämlich deutlich effektiver und kostengünstiger als solche mit Verbrennungsmotor. So kosten laut Berechnungen des TÜV 100 Kilometer noch nicht mal 4 Euro an Strom. Hinzu kommt, dass am Arbeitsplatz deutlich günstiger aufgeladen werden kann als unterwegs, und das in der Regel in der Mehrzahl der Fälle (mehr als 90 Prozent) am Arbeitsplatz geladen werden kann. Ein konventionelles Fahrzeug kommt hier bei den derzeitigen Spritpreisen fast auf das Doppelte. Tendenziell wird diese Preisschere sich weiter öffnen. Die tatsächliche Kostenersparnis bei E-Autos hängt auch vom Nutzungsverhalten ab. Je höher die Kilometerleistung, desto höher ist der finanzielle Vorteil gegenüber einem konventionellen Fahrzeug.

Subventionen durch den Staat

Den höheren Anschaffungspreis kompensieren zumindest zum Teil staatliche Direkt-Förderungen. So gibt es vom Importeur einen E-Mobilitäts-Bonus von 1.500 Euro für Neufahrzeuge, der Bund legt nochmal 1.500 Euro drauf, wenn das Fahrzeug zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben wird. Hinzukommen je nach Bundesland weitere Förderungen. So bietet das Land Niederösterreich beispielsweise noch mal 1.000 Euro Anschlussförderung, insgesamt sind das also 4.000 Euro. In Gesamtösterreich entfällt zudem die motorbezogene Versicherung für reine Elektrofahrzeuge.

Auch die Ladeinfrastruktur ist förderfähig. Dabei kommt es darauf an, ob die Ladestation öffentlich zugänglich ist oder nicht. Im letzteren Fall lassen sich bis zu 500 Euro lukrieren, für öffentliche Schnellladestationen sind es bis zu 10.000 Euro. Einen Überblick über verschiedene Fördermöglichkeiten finden Sie auf der Seite von Austrian Mobile Power.

Vorsteuerabzug für anfallende Kosten

Durchaus attraktiv sind auch die indirekten Fördermaßnahmen. Für Firmenfahrzeuge gilt: Bis zu einem Anschaffungswert von 40.000 Euro können sie komplett von der Steuer abgesetzt werden, zwischen 40.000 und 80.000 wird ein Mischwert angenommen. Über 80.000 Euro ist kein Vorsteuerabzug möglich. Der gewährte Vorsteuerabzug gilt aber nicht nur für das Fahrzeug selber, sondern auch für Kosten, die es verursacht. Sprich:

  • Von den Parkgebühren über
  • die Vignette bis hin zur
  • Autowäsche, überall ist ein Vorsteuerabzug möglich.

Weil für E-Autos der Sachbezug auf Null gesetzt wurde, sparen sich zudem sowohl der Dienstgeber als auch der Dienstnehmer Kosten. Kosten die nach Schätzungen des TÜV Austria beim Dienstnehmer für einen Golf mit rund 175 Euro netto pro Monat zu Buche schlagen.

Fazit

Die TÜV Austria Musterkalkulationen zeigen: Berücksichtigt man die Gesamtkosten, dann sind Elektroautos gegenüber konventionellen Fahrzeugen deutlich im Vorteil, trotz großer Unterschiede bei der Anschaffung. Fördermaßnahmen und der kostengünstige Antrieb sorgen dafür, dass der anfänglich 12.500 teurere Nissan Leaf am Ende rund 40 Euro pro Monat günstiger ist, als der Golf. Das gilt sogar, wenn man die Ladeinfrastruktur für den Arbeitnehmer wie in unserem Beispiel mit einkalkuliert. Und für nahezu den gleichen Preis wie einen Golf, kann man auch einen strombetriebenen 3er-BMW fahren.

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