24.03.2016

Auf einen Kaffee mit...DDr. Patrick Weninger
„Ein Boost für Österreichs E-Automarkt.“

Die Steuererleichterungen für Elektrofahrzeuge im Flottenbereich zeigen bereits Wirkung: Die Zulassungszahlen von E-Autos haben sich in Österreich in den ersten zwei Monaten dieses Jahres - im Vergleich zum selben Zeitraum im letzten Jahr - bereits mehr als verdoppelt. SMATRICS hat sich mit dem Steuerexperten DDr. Patrick Weninger LL.M. von Deloitte Österreich auf einen Kaffee getroffen und die steuerlichen Aspekte der „e-mobilen Steuerreform“ etwas genauer unter die Lupe genommen.

Der Steuerexperte DDr. Patrick Weninger, LL.M. von Deloitte Österreich über die „e-mobile Steuerreform“ und Vorteile einer voll-elektrischen Firmenflotte.

Beginnen wir gleich mit dem Wichtigsten: Welche Vorteile bringt die e-mobile Steuerreform für österreichische Unternehmen konkret?

Die relevanten Teile der Steuerreform sind mit 1.1.2016 in Kraft getreten und haben unter anderem die „Ökologisierung des Steuersystems“ zum Ziel. Ein wesentlicher Punkt ist daher die Förderung von E-Autos – und zwar in zwei konkreten Bereichen: Der Sachbezug für Firmenfahrzeuge und die Vorsteuerabzugsmöglichkeit bei den Anschaffungskosten von E-Fahrzeugen.

Beim ersten Bereich, den Firmenautos, die auch für private Zwecke genutzt werden dürfen, geht es konkret um die Regelung zum steuerlichen Sachbezug. Das steuerliche Prinzip dahinter ist ganz einfach: Wenn Sie als Arbeitnehmer von Ihrem Arbeitgeber neben Geldlohn aus Sachbezüge bekommen, sollte dies gleich oder ähnlich besteuert werden wie eine monetäre Leistung des Dienstgebers. Bei Sachleistungen des Arbeitgebers ist es aber nicht so einfach, den Wert festzustellen. Daher gibt es in der Sachbezugsverordnung festgelegte Werte; unter anderem, auch für Dienstfahrzeuge, welche auch für private Zwecke verwendet werden.

Und hier wird als Folge der Steuerreform für die Ermittlung des zu versteuernden Sachbezugs erstmals danach differenziert, wie hoch der Schadstoffausstoß gemessen in CO2 pro km des zur Verfügung gestellten Firmenautos ist. Das war vor der Steuerreform nicht so. Die allgemeine Regel ist nun so, dass 2% der Anschaffungskosten (inkl. Umsatzsteuer und NoVA) als steuerlicher Sachbezug pro Monat anzusetzen sind, maximal aber EUR 960. Wenn es hier zu überhaupt keinem CO2 Ausstoß beim Firmenauto kommt (rein wasserstoffbetriebene oder reine Elektro-Fahrzeuge), dann ist überhaupt kein Sachbezug anzusetzen - der Vorteil aus der Zurverfügungstellung eines Firmenautos bleibt somit beim Arbeitnehmer steuerfrei. Beträgt der CO2 Ausstoß maximal 130g / km, sind 1,5% der Anschaffungskosten pro Monat als steuerlicher Sachbezug anzusetzen, maximal aber EUR 720. Diese Regelung ist auf 5 Jahre befristet und die CO2 Grenze wird dabei in den kommenden 5 Jahren schrittweise um 3g/Jahr herabgesetzt.

Was sollten Unternehmen bei der Anschaffung eines E-Fahrzeuges beachten?

Ein wichtiger Punkt ist das Jahr der Anschaffung. Hier entscheidet nämlich die Angabe des CO2 Ausstoßes in der Typengenehmigung im Jahr der Anschaffung über die Erlangung des günstigeren 1,5% Sachbezugs im Anschaffungsjahr und in den Folgejahren. Viele Unternehmen fragen uns auch, ob es steuerliche Unterschiede zwischen geleasten und gekauften E-Fahrzeugen gibt. In Bezug auf den Sachbezug und die Vorsteuerabzugsfähigkeit ist es im Wesentlichen egal, ob ein Unternehmen das E-Fahrzeug least oder kauft. Die Entscheidung, Kauf oder Leasing, sollte daher von anderen betriebswirtschaftlichen Faktoren abhängig gemacht werden. In Bezug auf den Sachbezug sollten Unternehmen außerdem in beiden Fällen die Luxustangente von 40.000€ nicht vergessen – denn jener Teil der Anschaffungskosten, der 40.000€ übersteigt, ist steuerlich nicht abzugsfähig.

Wie groß ist das Interesse österreichischer Unternehmen hier mehr Informationen zur e-mobilen Steuerreform zu erhalten?

Das Interesse an den steuerlichen Regelungen zu E-Fahrzeugen war bereits vor der e-mobilen Steuerreform groß. Unternehmen setzen sich mit dem Thema bereits seit längerem auseinander, da einerseits das Umweltbewusstsein immer größer wird und andererseits die wirtschaftlichen Vorteile für viele Unternehmen Sinn machen können. Ich habe aber auch das Gefühl, dass die Steuerreform dem E-Automarkt in Österreich nun einen Boost in die richtige Richtung gegeben hat. Ein Grund ist mit Sicherheit die Tatsache, dass es tiefgreifende und vor allem hohe und leicht berechenbare monetäre Steuerersparnisse bei der Anschaffung von E-Fahrzeugen gibt. Die Zulassungszahlen von E-Autos haben sich alleine in den ersten zwei Monaten dieses Jahres verdoppelt - es scheint als verschaffe die Steuerreform dem heimschen Automarkt wahrlich e-mobile Frühlingsgefühle.

Wir bei Deloitte bieten einen Rundum-Service für E-Interessierte an. Neben der steuerlichen Beratung fragen Unternehmen bei uns vermehrt auch die HR Beratung hinsichtlich Change-Management an. Denn oft stoßen Entscheidungsträger in einem Unternehmen beim Thema Elektromobilität zuerst einmal auf Widerstand bei den Mitarbeitern. Hier heißt es Vorurteile und Mistrauen gemeinsam abbauen.

Und wie sieht es mit der Vorsteuerabzugsfähigkeit von E-Fahrzeugen aus?

Die zweite große Neuerung im Zuge der Steuerreform ist die Vorsteuerabzugsfähigkeit der E-Fahrzeuge. Auch hier gilt: Wenn die Anschaffungskosten der E-Autos nicht die Luxustangente von 40.000€ überschreiten, greift die vollständige Vorsteuerabzugsmöglichkeit für die 20%ige Umsatzsteuer. Gedeckelt ist die Vorsteuerabzugsfähigkeit mit 80.000€, was bedeutet, dass bei Anschaffungskosten zwischen 40.000 und 80.000€ die Vorsteuer nur anteilig abzugsfähig ist. Überschreiten die Anschaffungskosten eines E-Fahrzeuges die 80.000€-Deckelung so steht dem Unternehmen überhaupt kein Vorsteuerabzug mehr zu. Das ist aber keine Spezialregelung in Bezug auf E-Autos, sondern das ist ein allgemeines Prinzip im Umsatzsteuerrecht. Denn der Vorsteuerabzug ist ganz allgemein dann zur Gänze ausgeschlossen, wenn Ausgaben überwiegend steuerlich nicht abzugsfähig sind; sprich also, wenn das Doppelte der Luxustangente von 40.000 EUR überschritten wird.

Nun kommt häufig die Frage nach den Stromkosten bei Firmenwagen auf. Wer zahlt denn dafür? Und was passiert wenn Arbeitnehmer den neuen vollelektrischen Firmenwagen zu Hause lädt? Können diese Stromkosten als Tankkosten dem Arbeitgeber weiterverrechnet werden?

Die Übernahme der Tankrechnungen gilt im Allgemeinen sowohl bei normalen als auch bei E-Autos mit dem Ansatz des oben beschriebenen Sachbezugs als steuerlich mitabgegolten; darum trägt der Dienstgeber meistens auch die Treibstoffkosten. Da es aber bei der Abrechnung des eigenen Stromverbrauches beim Laden von E-Autos im Eigenheim kompliziert werden kann, ist hier noch keine klare, 100%ige Garantie gegeben, dass der Arbeitgeber auch diese Stromkosten übernehmen kann, ohne dass dadurch ein zusätzlicher Sachbezug beim Arbeitnehmer zu versteuern ist. Theoretisch dürfte es von der steuerlichen Behandlung keinen Unterschied machen, wo man das E-Auto lädt. Beim abgerechneten Strom zu Hause müsste daher wohl nachgewiesen werden, dass der vom Arbeitgeber übernommene Strom auch wirklich nur zur Aufladung des E-Autos verwendet wurde. Das ist abrechnungstechnisch nicht ganz einfach. Hier ist ein System notwendig, das die geladenen Stromkosten bzw. kWh genau verfolgen und zuordnen kann.

Welche praktischen Tipps geben Sie Unternehmen, die ihre Firmenflotte elektrifizieren möchten?

Wir empfehlen jedem Unternehmen in erster Hinsicht das Fahrverhalten der eigenen Flotte zu analysieren und zu schauen, was zum eigenen Business Case (Geschäftsfeld) eigentlich passt. Die steuerlichen Vorteile, welche durch Sachbezug und Vorsteuer entstehen sind da nur ein Baustein des gesamten Umstieges. Wie bereits erwähnt ist ein anderer Baustein, die Idee der nachhaltigen emissions- und lärmfreien Mobilität im eigenen Unternehmen erst mal durchzubringen. Die neuen steuerlichen Rahmenbedingungen bevorzugen natürlich Dienstnehmer mit E-Cars; dieser Punkt sollte bei der Flottenpolicy bewusst berücksichtigt werden, als Lenkungseffekt.

Einige E-Kritiker und Verschwörungstheoretiker glauben ja oft, dass der Staat, sobald sich E-Mobilität durchgesetzt hat, neue Steuern für Strom, etc. eingeführt werden. Was glauben Sie?

(Lacht) Man weiß natürlich nie was die Zukunft genau bringt. Das Thema ist aktuell allgemein sehr stark im Fokus, offensichtlich auch bei der Bundesregierung. Das offizielle Bekenntnis zur „Ökologisierung des Steuersystems“ im Zuge der letzten Steuerreform ist also bereits ein wichtiger Richtungspfeiler des Gesetzgebers und dieser kann wohl nicht so schnell wieder umgedreht werden. Mich persönlich würde es nicht überraschen, wenn in der Zukunft noch weitere Begünstigungen für E-Autos kommen werden. Denn die Regierung hat ja bei der Steuerreform gezeigt, dass sie gewillt ist, in dieser Hinsicht etwas zu machen. E-Mobilität wird also wohl weiter gefördert werden. Hier muss man aber natürlich auch sagen, dass die Sachbezugsregelung auf 5 Jahre befristet ist. Man muss aber auch klar sagen, dass es einen Spielraum für andere Bereiche der E-Mobilität gibt – neben Sachbezug und Vorsteuerabzug bei Firmenautos – die zukünftig gefördert werden könnten. Wer weiß: Vielleicht gibt es in einigen Jahren auch steuerliche Begünstigungen bei der Anschaffung von E-Autos im privaten Bereich.

Abschließend noch eine Frage: Besitzt Deloitte bereits E-Fahrzeuge im Firmenfuhrpark?

Vereinzelt ja. Aber das kann rasch mehr werden – das zeigt Elektromobilität in Österreich gerade.

Weitere Informationen

Der Deloitte.Radar 2016 bewertet die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich. Der Befund der Metastudie ist in der Gesamtheit zum dritten Mal in Folge nicht zufriedenstellend. Bei Betrachtung der aktuellen Indizes zeigt sich: Der Abwärtstrend der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs hält an. Fazit: Österreich muss weiterhin vermehrt auf Elektromobilität setzten. Dies ist vor allem auch deshalb sehr positiv, da es in Österreich zahlreiche Unternehmen gibt, die im Bereich der Elektromobilität eine Pionierrolle einnehmen können.

Und falls Sie genau wissen möchten wie viel Sie dank der Steuerreform beim Kauf eines E-Autos sparen nutzen Sie einfach den neuen SMATRICS Steuerrechner:

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