08.10.2018

Warum Elektromobilität Stadtwerken bei der Kundenbindung hilft

Als Hauptaufgabe der Stadtwerke wird vielerorts immer noch die Versorgung der Bürger mit Strom, Gas und Fernwärme gesehen. Hier gelten sie als zuverlässige Partner. In Zeiten von Unbundling und Deregulierung gilt es jedoch neue Kompetenzen zu beweisen.
Mann vor Ladestation

Treue Kunden

Über eine lange Zeit hatten die Stadtwerke bei ihrem Kerngeschäft keine Konkurrenz zu fürchten. Vor rund 20 Jahren wurden die Märkte aber liberalisiert, die Stadtwerke bekamen Konkurrenz von außen. Viele Marktbeobachter prophezeiten damals
ein breites Sterben der Stadtwerke, doch das ist ausgeblieben. Die Kunden bleiben ihren Versorgern treu, eben auch weil Stadtwerke als zuverlässig gelten und weil es vor Ort Ansprechpartner gibt, die man im Falle eines Falles kontaktieren kann.

Als Konsequenz haben Stadtwerke in ihren Versorgungsgebieten immer noch einen Marktanteil von 60 bis 80 Prozent. Ihr Vorteil: Sie kennen die Region und sind oft gut vernetzt. Das Geschäft mit Strom und Gas ist für sie immer noch eine solide Basis. Die Wertschöpfung bleibt in der Region.

Veränderungen kommen schleichend

Also alles bestens? Nicht wirklich. Denn letztlich ist es allen Beteiligten klar: Das wird nicht so bleiben. Stadtwerke werden ihre Strukturen ändern müssen. Dafür sorgen schon die Themen Unbundling und Deregulierung, die neue Herangehensweisen erfordern. Die Regionalversorger müssen heute auch überregional gegen die großen EVUs antreten. Kleine, flexible Anbieter nutzen den starken Wettbewerb am Strom- und Gasmarkt, um günstige Konditionen anbieten zu können, die sie zudem mit viel
Werbung unterstützen.

Die Kommunen entdecken zudem immer öfter ihre Stadtwerke als Cashcow, die die leeren Kassen füllen soll. Das setzt die Verantwortlichen zusätzlich unter Druck, Veränderungen herbeizuführen.

Naheliegendes Konzept: Die Elektromobilität

Ein durchaus naheliegendes Konzept zur Ausweitung der eigenen Kompetenzen und zur Kundenbindung ist die Elektromobilität. Viele Stadtwerke haben sich bereits den Umweltschutz auf ihre Fahnen geschrieben und streben hier eine Vorreiterrolle an. Strom aus Solarenergie oder Wasserkraft für Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen, ist da nur konsequent.

Weil die Kommunen oft auch die Parkraumbewirtschaftung übernehmen, können sie zudem über dieses Instrument die Verbreitung von Elektrofahrzeugen fördern, etwa indem sie für diese Fahrzeuge Sondertarife einführen oder sie gleich ganz von den
Parkgebühren befreien. Stadtwerke haben zudem gute Kontakte zu Handwerk und Industrie. Es fällt ihnen leicht, die notwendigen Ansprechpartner zu finden, etwa um über Kooperationen oder Standorte für Elektrotankstellen zu reden.

Zaghafte Umsetzung in Deutschland

In Deutschland gibt es durchaus eine ganze Reihe von Stadtwerken, die dieses Konzept bereits versuchen umzusetzen. Auch weil in vielen Stadtwerken die personellen Ressourcen knapp sind, gehen diese die Entwicklung des neuen Geschäftsmodells meist nur zaghaft an.

Bisweilen fehlen auch anderweitig die Ressourcen für ein erfolgreiches Arbeiten. Beispielsweise ist die EDV veraltet und nicht darauf ausgelegt, moderne Dienstleistungen zu unterstützen, etwa weil ein leistungsfähiges CRM-System fehlt.

Einen Ausweg aus diesen komplexen neuen Herausforderungen kann die Kooperation mit anderen Unternehmen sein, die die fehlenden Kompetenzen beisteuern und auch bereits Erfahrung mit diesem Geschäftsmodell haben. Stadtwerke können sich so ganz auf ihre eigenen Stärken konzentrieren: auf ihre Verwurzelung in der Region und ihre Kompetenz als Energieversorger.

Fazit

Stadtwerke können sich auf ihrem über lange Jahre erfolgreichen Geschäftsmodell nicht mehr ausruhen, die Veränderungen am Markt stellen ihren Erfolg langfristig infrage. Es gilt also sich nach neuen Marktchancen umzusehen. Ein Engagement in Sachen Elektromobilität verspricht hier Erfolg, droht aber ohne Partner von außen oft an den internen Beschränkungen zu scheitern.

 

Button Leitfaden Stadtwerke herunterladen