06.07.2018

Von der Theorie zur Praxis
E-Autos im Alltagsbetrieb

Der Trend zum Elektroauto ist noch nicht in allen Unternehmen angekommen. Immer noch gibt es Vorbehalte gegenüber der sauberen Technik. Zu Unrecht, wie die Erfahrungsberichte der Pioniere zeigen, die den Schritt zur Elektromobilität bereits gewagt haben.
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E-Autos in den Fuhrpark zu integrieren, ist manchmal nicht ganz einfach. Zumindest bei Trenkwalder waren die Mitarbeiter zunächst skeptisch. „Die Akzeptanz der E-Autos ist immer noch leicht gemischt, aber sie steigt“ fasst Einkaufsleiter Peter Szabo, seine Erfahrung mit der Anfang 2017 begonnen Einführung der elektrisch angetriebenen Fahrzeuge zusammen.

Trenkwalder: Sechs von 115 PKW fahren jetzt elektrisch

 

Logo Trenkwalder
(c) Trenkwalder.

Trenkwalder ist der größte Personaldienstleister Österreichs mit über 30 Standorten und bis zu 6.000 Mitarbeitern. Insgesamt sind 115 PKW im Einsatz, die meisten jedoch immer noch mit Verbrennungsmotor.

Gerade mal sechs davon, vier in der GmbH und zwei in der Holding arbeiten mit einem Elektroantrieb. Eingesetzt werden die Fahrzeuge zur Kunden- und- Mitarbeiterbetreuung, teils als Pool-, teils als Dienst-PKWs. Alle sechs Fahrzeuge sind Operating-Leasing-Fahrzeuge, als Ladeinfrastruktur stehen drei Ladestationen zur Verfügung. Diese sind allerdings nicht öffentlich zugänglich. 

Unsere Ladestationen stehen in Wien in einer privaten Bürohaus-Parkgarage. Das schränkt die Zugangsmöglichkeiten sehr ein und macht die Abrechnungsmodalitäten schwierig“ meint Szabo. Zum Glück gibt es hier mittlerweile unterschiedliche Produkte und Verrechnungsmöglichkeiten.

Wien wurde auch wegen der kurzen Wege und der dort guten Ladeinfrastruktur als Erst-Standort gewählt. Erfahrungen gibt es auch schon: „Insgesamt ist das Ladestationen-Netz immer noch verbesserungswürdig. Und auch die Reichweite der Fahrzeuge könnte noch größer sein. Das gilt vor allem im Winter.“ Die Branche entwickelt sich jedoch sehr schnell und es kommen laufend Verbesserungen im Bereich des öffentlichen Laden sowie Dienstleistungen für Unternehmen.

Imagegewinn steht im Vordergrund

Wie bei jedem Unternehmen spielten auch finanzielle Gründe bei der Entscheidung für E-Autos eine große Rolle.

Das war aber nicht der Hauptgrund. Auch die Subventionen spielten keine große Rolle.“ sagt Szabo.

Viel mehr stand bei Trenkwalder klar der Umweltgedanke im Vordergrund. „Wir sind damit Vorreiter, nicht nur für unsere Branche.“ 

Und auch wenn es immer noch Skeptiker im Unternehmen gibt: Trenkwalder will den Weg der Elektromobilität weiter gehen. „In den kommenden zwölf bis 24 Monaten wollen wir bis zu zwölf E-Autos in unseren Fuhrpark integrieren. Das sind über zehn Prozent des derzeitigen Fahrzeugbestandes“ kündigt Szabo an.

E-Autos: Kostenstruktur macht sie konkurrenzlos

Eine Entscheidung, über die es eigentlich gar nichts zu diskutieren gibt, wie zumindest Matthias Zawichowski findet. Zawichowski ist Geschäftsführer bei im-plan-tat, einer niederösterreichischen Raumplanungsfirma, die im Auftrag der WKO niederösterreichische Unternehmen in Sachen E-Mobilität berät. Dabei steht vor allem die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. „E-Autos schaffen es in vier Jahren Nutzungsdauer spielend die höheren Anschaffungskosten wett zu machen. Ein fossiles Auto ist im betrieblichen Einsatz einfach deutlich teurer“ sagt er.

Interesse von Handwerksbetrieben steigt

Und für die Unternehmen ist der Fuhrpark gleich nach den Personalkosten der zweithöchste Ausgabenposten. Ein wichtiger Grund, warum die Verantwortlichen in den Firmen diese Kosten ganz genau im Auge haben und sich immer öfter über die WKO an Zawichowski und sein Team wenden.

Manchmal fallen diese Entscheidungen auch unter Zeitdruck, etwa wenn ein Leasing-Vertrag in wenigen Monaten ausläuft“. In Anbetracht der Umweltzonen, die in Deutschland in absehbarer Zeit realisiert werden, interessieren sich auch immer mehr Handwerker für E-Autos. „Besitzer von E-Autos dürfen in vielen Gemeinden gratis parken, selbst in den Kurzparkzonen“.

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Modellvielfalt wächst kontinuierlich

Nicht nur bei den E-Autos, sondern auch bei Kleintransportern gibt es eine immer größere Auswahl an Modellen.

Um den Erfolg von Elektrofahrzeugen in diesem Segment weiter zu beflügeln, wäre eine Bevorzugung der elektrischen Kleintransporter wünschenswert.” meint Zawichowski. Denn die mit konventionellem Antrieb ausgestatteten Fahrzeuge gelten als Fiskal-LKW und sind somit genauso steuerbefreit, wie die Elektrofahrzeuge, was die Kostenrechnung zu deren Nachteil verschiebt.

Parallel sollten Autofirmen ihre Produktpalette erweitern, damit es nicht zu Engpässen bei der Umstellung kommt”. Ein Wunsch, der schon bald in Erfüllung gehen könnte: „Mercedes, Renault, MAN und VW arbeiten hier bereits an einer neuen Modellpalette“.

 

Direkte Förderungen sind nebensächlich

Ob es direkte Förderungen gibt oder nicht, ist nach Erfahrung von Zawichowski für die Entscheidung für oder gegen ein E-Auto „vollkommen Wurscht“. Der Antrag erscheint oft so kompliziert, das manche Unternehmen gleich ganz darauf zu verzichten. Viel wichtiger seien die indirekten Förderungen, die auch für private Nutzer deutlich erhöht werden müssten, so Zawichowski, etwa indem bei der Berechnung der Pendlerpauschale das Elektrofahrzeug deutliche Vorteile zugesprochen bekommt.

Planung ist alles

Wichtig vor der Kaufentscheidung ist es sich genau zu überlegen, was man mit dem Fahrzeug machen will.

Wenn man von Tulln nach Wien pendelt, dann kommt man schon mal auf 150 Kilometer Tagesleistung. Da braucht man auch ein Fahrzeug, das entsprechende Energiereserven hat, speziell im Winter“.

Durchaus überlegenswert ist auch die Frage ob die Fahrzeuge gekauft, geleast oder gar nur gemietet werden sollen. „Wir sehen da einen Trend zu neuen Mietmodellen, aber die Entscheidung ist natürlich immer sehr individuell”. Wichtig ist auch, dass die Mitarbeiter mit ins Boot geholt werden müssen. „Die Akzeptanz der Nutzer muss gegeben sein. Und ein Elektroauto erfordert ein gewisses Umdenken”.

Beratung aus Überzeugung

Die Controller sind schnell auf seiner Seite, denn dass Elektrofahrzeuge wirtschaftlich sind, weiß Zawichowski aus eigener Erfahrung zu berichten. Neben seiner Tätigkeit bei im-plan-tat ist Zawichowski auch Obmann des Mobilitätsvereins fahrvergnügen.at. Der Verein bietet an 20 Standorten in Niederösterreich Elektrofahrzeuge im Car-Sharing-Prinzip an.

Wir haben derzeit rund 40 Fahrzeuge im Pool. Die Wartungskosten für die Fahrzeuge liegen bei der Hälfte von denen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor“. Zawichowski ist vom Elektroantrieb restlos überzeugt: „Wenn man die Sache logisch betrachtet, gibt es eigentlich keine Alternative zur Elektromobilität. Es hat ein neues Zeitalter begonnen“.

Fazit

Der Umstieg auf Elektroautos geschieht nicht immer friktionslos. Aber es lohnt sich, denn die Kostenstruktur und der Imagegewinn machen die E-Autos konkurrenzlos. Wichtig ist aber, sich vor dem Umstieg beraten zu lassen und die richtige Lösung für den jeweiligen Betrieb zu finden. Im Zweifelsfall heißt es bei der Umstellung behutsam vorzugehen.

 

 

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