18.09.2018

Wie Stadtwerke vom E-Auto Boom profitieren können

Der Druck der EU beim Thema Klima- und Umweltschutz gibt der Elektromobilität einen großen Schub. Stadtwerke haben die Chance, durch den Aufbau von Ladenetzen daran teilzuhaben. Erfahren Sie, was für die Umsetzung notwendig ist und wie Sie dabei am besten vorgehen.
Mann mit Ladestation

Umweltschutz und Verbesserung der Luftqualität funktionieren nur länderübergreifend. Deswegen hat sich die EU dieser Themen angenommen. Und macht nun Druck: Mitte Mai 2018 hat die EU-Kommission Deutschland zusammen mit fünf weiteren Mitgliedsstaaten wegen nicht eingehaltener Grenzwerte für die Luftqualität verklagt.

Nach Ansicht der Kommission hat Deutschland keine geeigneten Maßnahmen ergriffen, um die Zeiten, in denen die Grenzwerte überschritten wurden, zu minimieren. Hintergrund ist eine Verordnung aus dem Jahr 2008, die die Mitgliedstaaten verpflichtet, Maßnahmen zur Reinhaltung der Luft zu ergreifen.

Autobauer unter Druck

Ebenfalls unter Druck sind die Autohersteller. Sie müssen bis 2021 die CO2-Werte ihrer Flotten auf 95 Gramm pro Kilometer senken. Und das, obwohl gerade die SUV boomen, die zwar viel Geld in die Kassen spülen, aber gleichzeitig auch den Flottenverbrauch nach oben schrauben.
Die Unternehmensberatung PA Consulting rechnet daher damit, dass lediglich vier Autobauer die Hürde bewältigen werden:

  • Volvo,
  • Toyota,
  • Renault-Nissan und
  • Jaguar Land Rover.

Alle übrigen Hersteller müssen mit saftigen Strafen rechnen.

Elektrofahrzeuge bekommen Unterstützung

Es sei denn, Elektrofahrzeuge können ihren Anteil an den Neuzulassungen signifikant steigern. Sie wären auch für die unter den Abgasschwaden leidenden deutschen Großstädte eine Hilfe, doch noch die Grenzwerte einzuhalten.

Derzeit haben reine Elektroautos in Deutschland aber nur einen Marktanteil von knapp 0,92 Prozent, wie die Website Goingelectric berechnet. Plug-in-Fahrzeuge, also Hybridfahrzeuge, die auch mit einem Stecker geladen werden können, bringen es noch Mal auf weitere 0,92 Prozent.

In Summe macht das bei 2.156.879 Gesamtzulassungen im ersten Halbjahr 2018 knapp 20.000 Fahrzeuge in jeder Kategorie. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2017 wurden 3.441.531 Fahrzeuge zugelassen, davon waren rund 25.000 reine Elektroautos und 29.436 Plug-in-Hybridautos.

Grafik E-Auto Zulassungen Deutschland

Akzeptanz steigt mit der Reichweite

Die Zahlen steigen also langsam, aber stetig. Das liegt vor allem auch daran, dass die Fahrzeuge immer größere Reichweiten erreichen. Lagen diese 2016 nach NEFZ um die 150-200 Kilometern, so liegen sie heute auch bei Mittelklassewagen schon bei 250-400 Kilometern.

So ist etwa der populäre Renault Zoe seit kurzem mit einer 41 kWh-Batterie zu haben, die reale Reichweiten bis zu 300 Kilometer erlauben soll. Der fast ebenso beliebte Nissan Leaf kommt auf Wunsch mit einer 40 kWh Batterie, die immerhin für 250 Kilometer reicht. Das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: In den Jahren nach 2020 sollten die meisten verkauften Modelle bis zu 1.000 Kilometer Reichweite erreichen.

Anschlüsse endlich genormt

Und auch das Problem mit den Steckern ist endgültig vom Tisch. Für Wechselstrom-Anschlüsse hat sich in Europa auch dank der EU der Typ-2-Stecker durchgesetzt, der für Ladeleistungen bis 43 kW spezifiziert ist.

Wenn es noch schneller gehen soll, dann wird Gleichstrom verwendet, der Ladeleistungen bis 50 kW und darüber hinaus bietet. Hier hat sich das CCS-System durchgesetzt. Beim Nissan Leaf verkürzt sich damit die Ladezeit auf 60 Minuten.

Steckertypen

Typ-1-Stecker für das Laden von Elektroautos

Steckertyp: Typ-1-Stecker

maximale Ladeleistung: einphasig bis zu 7,4 kW

Typ-2-Stecker für das Laden von Elektroautos

Steckertyp: Typ-2-Stecker

maximale Ladeleistung: ein- und dreiphasig bis zu 43 kW

Tesla Supercharger Stecker für das Laden von Elektroautos

Steckertyp: Tesla Supercharger

maximale Ladeleistung: bis zu 120 kW Leistung

CCS Combostecker für das Laden von Elektroautos

Steckertyp: CCS Combostecker

maximale Ladeleistung: bis zu 350 kW

CHAdeMo Stecker für das Laden von Elektroautos

Steckertyp: CHAdeMo

maximale Ladeleistung: bis zu 150 kW

Ladestationen leider oft am falschen Ort

Derzeit gibt es laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft rund 13.500 öffentliche und halb-öffentliche Ladestationen in Deutschland. Dem stehen laut  Kraftfahrtbundesamt knapp 54.000 zugelassene reine Elektroautos und nochmal etwas mehr als 44.000 Plug-in-Fahrzeuge gegenüber.

Das erscheint als ein ziemlich üppiges Verhältnis, doch die Zahlen sagen nur die halbe Wahrheit. Denn viele dieser Stationen stehen nicht unbedingt dort, wo sie gebraucht werden. Nutzer von Elektroautos „tanken“ nämlich anders, als solche mit einem Fahrzeug mit fossilem Treibstoff.

Weil der Ladevorgang stets eine Zeit lang dauert, laden sie ihre Fahrzeuge jedes Mal dann, wenn sie sie abstellen. Das kann vor dem Schwimmbad sein, aber auch in Shoppingzentren oder vor Bahnhöfen. Dazu wird eine breite öffentliche Infrastruktur benötigt, die es in dieser Form noch nicht ausreichend gibt.

Was können Stadtwerke tun?

Das eine oder andere Stadtwerk ist auf den Zug bereits aufgesprungen und hat damit begonnen, eine entsprechende Ladeinfrastruktur aufzubauen. Doch oft sind die ersten Schritte in einer Art Experimentierstadium stecken geblieben. Die errichteten Ladestationen bzw. Wallboxen sind oft nichts anderes als bessere Steckdosen, die den Ansprüchen der Elektromobilität langfristig nicht genügen.

Besser sind sogenannte „intelligente Ladestationen“, also solche, die sich mit anderen elektronischen Geräten vernetzen lassen oder über GSM, LAN oder WLAN mit dem Internet verbunden sind. Über diesen Anschluss kann die Box überwacht und ferngewartet werden, was auch der Reputation des Betreibers zugutekommt. Denn eine defekte Box erzeugt Reklamationen und unzufriedene Kunden.

Und eine Box ohne Überwachung kann lange defekt sein, bevor es jemand beim Betreiber merkt. Eine intelligente Box bietet zudem den Vorteil eines Zugangsschutzes. Der Betreiber kann entscheiden, wem er Zugriff auf die Ladestation gewährt – was im Endeffekt die Voraussetzung dafür ist, damit auch Geld zu verdienen.

Fazit

Der Druck der EU beim Thema Klima- und Umweltschutz zwingt die Kommunen sich verstärkt Gedanken darüber zu machen, wie die Grenzwerte eingehalten werden können. Auch Autokonzerne werden von der EU gedrängt, Flottenemissionen zu reduzieren. Dies wird der Elektromobilität einen großen Schub geben. Stadtwerke haben die Chance, durch den Aufbau von Ladenetzen daran teilzuhaben. An intelligenten Lösungen führt dann aber kein Weg vorbei.

 

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