24.03.2016

E-Alltagsgeschichten
Erlebte Stromzukunft: Wie sich mein E-Auto rechnet

Der VERBUND-Mitarbeiter Hans Görig schreibt in seinem neuen Beitrag über ganz persönliche Erfahrungen im praktischen Umgang mit E-Autos und rechnet die wirtschaftlichen Vorteile klar und verständlich vor.
VERBUND-Mitarbeiter Hans Görig mit Elektroautos
VERBUND-Mitarbeiter und E-Pionier Hans Görig

Die Betriebskosten meines E-Autos, das ich seit dreieinhalb Jahren fahre, sind bedeutend geringer als die des Diesel-Pkw, den ich zuvor hatte: Selbst bei den aktuell niedrigen Diesel-Preisen von rund 90 Cent pro Liter erspare ich mir auf 100 Kilometern immer noch 2 Euro.

Der durchschnittliche Stromverbrauch meines Nissan Leaf liegt bei 17,8 kWh/100 km. Diese Energiemenge kostet derzeit ziemlich genau 3 Euro.

Keine motorbezogene Versicherungssteuer 

Die durchschnittliche Rechnung für ein Service macht 165 Euro aus, und das einmal jährlich oder alle 20.000 Kilometer. Da in Österreich für Elektroautos derzeit keine motorbezogene Versicherungssteuer anfällt, beträgt die Ersparnis bei 80 kW Leistung 417 Euro pro Jahr

Garantie und Kulanz 

Die Reparaturkosten für meinen „Stromer“ waren bisher gering: Ein elektrischer Fensterheber wurde auf Garantie ausgewechselt. Vor kurzem hat das Ladegerät für den Steckdosenstrom nach rund 4.000 Ladevorgängen den Geist aufgegeben. Das 1.500 Euro teure Teil wurde, obwohl die Garantie-Kilometer überschritten waren, auf Kulanz ausgewechselt. Die Arbeitszeit hat mich 500 Euro gekostet. 

Akku schon amortisiert 

Eine Ersatzbatterie kostet, wenn der alte Akku zurückgegeben wird, 6.000 Euro. 7.200 Euro sind zu berappen, wenn er nicht zurückgegeben und beispielsweise als Pufferspeicher für Solarstrom verwendet wird. Das ist heute noch eine Lösung für versierte Bastler, morgen wahrscheinlich schon Stand der Technik und ein interessantes Geschäftsmodell. 

Ich jedenfalls werde wohl noch mindestens zwei Jahre mit der alten Batterie fahren. Das hat zwei Gründe: Einerseits sind inzwischen Akkus mit größerer Kapazität auf den Markt gekommen, und ich möchte die weitere Entwicklung abwarten. Andererseits reicht mir die verbliebene Akku-Kapazität noch aus, da das Schnellladenetz in Österreich inzwischen sehr engmaschig ist. 

Egal, für welche Tauschvariante des Akkus ich mich künftig entscheide, ich habe sie mir gleichsam schon „verdient“. Denn gegenüber dem „fossilen“ Vorgänger des Leaf steht infolge der geringeren Betriebskosten ein Plus von insgesamt rund 6.500 Euro zu Buche. 

Nissan Leaf Elektroauto

Batterie-Miete hätte sich nicht rentiert  

Die heute gegebene Möglichkeit, den Akku beim Neukauf eines Leaf zu mieten, hätte sich bei mir nicht rentiert. Weil die monatlichen Mietkosten gestaffelt sind, hätte ich mit meinen rund 124.000 gefahrenen Kilometern mehr gezahlt als für das Modell mit dem Kauf-Akku.

Elektroauto Opel-Astra-Diesel 1.6 CDTI Ecotec

Ein Vergleich macht mich sicher 

Abschließend möchte ich auf die weit verbreitete Ansicht eingehen, E-Autos wären in der Anschaffung bedeutend teurer als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Ich habe einen Autohändler um ein aussagekräftiges Angebot gebeten. Er antwortete mit einer Listenpreis-Kalkulation „Nissan-Leaf-Acenta versus Opel-Astra-Diesel 1.6 CDTI Ecotec“.

Ein Listenpreis-Vergleich erscheint mir deshalb objektiv, weil – in Österreich regional sehr unterschiedliche – Subventionen für den E-Auto-Kauf ebenso wenig berücksichtigt sind wie Händlerrabatte, die es für „Verbrenner“, aber auch für E-Autos gibt. Ein Dieselauto habe ich deshalb vorgegeben, da alle meine bisher angegebenen Kalkulationen auf einem solchen beruhen.

Gleiche Ausstattung wichtig

Jedenfalls wurde auf größtmögliche Gleichheit bzw. Ähnlichkeit der Ausstattung geachtet. Tatsächlich gibt es nur wenige – geringfügige – Unterschiede. Der Astra-Diesel ist bezüglich Leistung etwas stärker, im Drehmoment aber schwächer als der Leaf-Acenta. Die Abmessungen der beiden Autos sind fast ident. 

Die Extras sind beim Astra unter anderem: Automatikgetriebe, Standheizung, Winterpaket, GPS-Navigation, Soundsystem. Das alles ist in der Standardausstattung des Leaf schon enthalten. Dieser ist zudem bereits mit der besseren Batterie – 30 statt 24 kWh – ausgestattet. 

Differenz im Listenpreis gering

Fazit: Der Listenpreis des beschriebenen Dieselwagens beträgt 32.518 Euro, der des E-Autos 34.429 Euro. Der Unterschied im Listenpreis liegt also unter 2.000 Euro bzw. unter 6 %! Die elektromobile Zukunft hat schon begonnen und erlebt große technische Fortschritte. Sie fängt nun auch an, wirtschaftlich zu werden …