07.03.2016

E-Alltagsgeschichten
123.456 Kilometer im E-Auto

In diesem Beitrag berichtet VERBUND-Mitarbeiter Hans Görig über seine persönlichen Erfahrungen im e-mobilien Alltag - von täglichen Pendler-Fahrten zum Arbeitsplatz mit seinem Nissan Leaf, von Urlaubsfahrten durch Österreich und einem persönlichen E-Fahrtenrekord.
Hans Görig mit Nissan Leaf und Tesla Model S
Hans Görig mit seinem Nissan Leaf und dem Tesla Model S

Die Heizung habe ich schon per App eingeschaltet, nun steige ich in meinen vorgewärmten Nissan Leaf. Ich schalte das heute meistverkaufte E-Auto der Welt mittels Druckknopf ein und schaue aufs Display: Es leuchtet ein „besonderer“ Kilometerstand auf: 123.456. Ich fahre los und denke mir angesichts dieser Zahl, es ist Zeit für ein Resümee! Noch mal schnell stehenbleiben und ein Foto vom Kilometerstand machen, leider hat sich schon die 7 dazugeschummelt.

E-Begeisterung vom ersten Moment an

Ich erinnere mich noch gut an die erste Probefahrt, die mich völlig begeistert hat, so sehr, dass für mich feststand: Ich will unbedingt dieses – und nur noch dieses – Auto. Gekauft habe ich dann den Leaf, von dem weltweit mittlerweile mehr als 200.000 Stück abgesetzt wurden, mit tatkräftiger Unterstützung durch EMPORA, das damals größte – mittlerweile abgeschlossene – Elektromobilitätsprojekt Österreichs. 2012 gab es noch fast keine rein elektrisch betriebenen Autos und daher auch kaum Lade-Infrastruktur in Österreich.

Faszination „elektrisches Fahrgefühl“

Die heute wichtigsten Konsequenzen für mich, aber vielleicht auch für viele andere (potenzielle) E-Auto-Nutzer: Das „elektrische Fahrgefühl“ ist nach wie vor faszinierend: Der E-Motor-Antrieb erlaubte schon immer eine gewaltige Beschleunigung des Wagens aus dem Stand und ein nahezu lautloses Dahingleiten. Der „Tank“ dagegen zwingt zur Entschleunigung, zu einer anderen Art des Autofahrens. Allerdings spielen auch zwei weitere – nicht-technische – Faktoren eine wichtige Rolle beim „Bekenntnis“ zum E-Auto: das gute Gewissen wegen der Entlastung des Klimas sowie die ökonomischen Vorteile.

Absolut sinnvolle Alternative

Drei Jahre lang pendelte ich mit dem Leaf beruflich zwischen meiner Wohnung und dem Kraftwerk Dürnrohr, 55 Kilometer pro Strecke. Ich lud den Wagen an einer Steckdose zu Hause und an einer im Kraftwerk. Unter diesen Bedingungen ist ein E-Auto eine absolut sinnvolle Alternative zum „fossilen“ Pkw. Statt rund 1 Tonne Diesel pro Jahr nur für die reinen Arbeitswege zu verbrennen, ersparte ich dem Klima rund 2,5 t CO 2 und meiner Geldbörse rund 500 Euro. Meine Entscheidung für den reinen E-Antrieb – und gegen einen Misch-Antrieb – habe ich ganz bewusst getroffen und seither nicht bereut. Der Leaf ist und bleibt das einzige Auto in meinem Besitz.

Dreimal war der „Tank“ leer

In den dreieinhalb Jahren dieser „elektrischen Fahrgemeinschaft“ bin ich anfangs drei Mal – aus eigener Fehleinschätzung und mangels geeigneter Messinstrumente – mit leerem Akku liegengeblieben. Davon musste der Wagen einmal abgeschleppt werden, die beiden anderen Male war jeweils eine rettende Steckdose in der Nähe. Engmaschiges Ladenetz. Heute passiert mir – und vielen anderen E-Auto-Fans – so etwas nicht mehr so leicht. Denn das Schnellladenetz in Österreich, insbesondere das der VERBUND-Beteiligung SMATRICS, ist inzwischen sehr gut ausgebaut. Zwar finden sich die Ladepunkte hauptsächlich auf den Hauptverkehrsrouten und in den Städten, trotzdem behaupte ich, dass ich mit meinem Wagen fast jeden Ort in Österreich in akzeptabler Zeit erreichen kann, wenn auch vielleicht auf Umwegen.

Elektroauto Nissan Leaf
Nissan Leaf an der SMATRICS Ladestation in Steinhäusl

Am besten das „Stehzeug“ betanken

Das E-Auto ist mit zwei Anschlüssen ausgestattet. Einer ist für das Laden an der normalen Steckdose geeignet; hier würde eine Vollladung je nach Auslegung der Stromquelle zwischen 6 und 10 Stunden dauern. Schnellladen mit Gleichstrom ist mit dem zweiten Anschluss möglich. Über diesen kann ich Strom für 100 Kilometer in ungefähr 40 Minuten laden. Meistens hängt das Auto nachts an der Steckdose, früher war dies in Dürnrohr auch tagsüber während der Arbeitszeit der Fall. Bisher waren gut 90 % meiner Fahrten ohne zusätzliche Wartezeiten durchzuführen. Die kleine und inzwischen schon gealterte Batterie des Leaf erfordert häufige Schnellladestopps. Wegen der Dimensionen des Stromspeichers muss ich etwa alle 100 Kilometer an die „Stromzapfsäule“ und erreiche deshalb auf Autobahnen und Überlandstraßen einen Schnitt von nur 50 bis 55 km/h.

Mehr verweilen statt weit eilen

Da die Ladesäulen zumeist nicht im Niemandsland stehen, nutze ich die Pausen als abwechslungsreiche Möglichkeit zu einem Einkauf, Imbiss oder einer Stadtbesichtigung. Eilig ein weiter entferntes Ziel mit dem Leaf zu erreichen, ist derzeit noch nicht möglich.

Viele Gratis-Steckdosen, viel Zubehör

Die nähere Umgebung meiner Wohnung – samt dazugehörigen Steckdosen – habe ich dank des Autos sehr gut kennengelernt. Ich genieße es, den Leaf an einer Ladestation abzustellen, wandern zu gehen und mit vollem Akku die Heimreise anzutreten. So mancher schöne und entspannte Wochenendausflug war durch die in Österreich hervorragende kommerzielle und private Ladeinfrastruktur möglich. In der näheren Umgebung Wiens finden sich sehr viele Steckdosen, an denen zumeist auch Gratis-Laden möglich ist. Im Internet gibt es inzwischen viele Informationen darüber, wo und zumeist auch wann eine Lademöglichkeit zu welchen Bedingungen zur Verfügung steht. Die vielen nötigen Steckertypen, egal an welchen Ladeplätzen, sind einer der wenigen Wermutstropfen meines E-Mobilisten-Daseins. So ist viel Platz in meinem Kofferraum für die verschiedenen Ladegeräte, Stecker und Adapter reserviert.

Meine längste Tagesstrecke: 650 km

Die bisher längste von mir mit dem Leaf zurückgelegte Tagesstrecke misst 650 km. Diese führte mich an einem der vielen heißen Sommertage im Jahr 2015 von Wien an den Fuschlsee und wieder zurück. Apropos „Hitze“: Der Leaf-Akku erwärmt sich beim Schnellladen stark; an diesem heißen Tag erreichte er zuletzt die für ihn absolut schädliche Temperatur von 55 bis 60° C. Der Bordcomputer reduzierte daraufhin die Lade- und Fahrleistung. Der Fahrtwind kühlte die Batterie schließlich wieder so weit ab, dass ich meine Reise in einer vernünftigen Zeit fortsetzen konnte. Allerdings weiß ich seit damals, dass mit meinem Auto höchstens 700 Tageskilometer möglich sind.

E-Auto Kilometeranzeige: 123457

Im Winter 100 km, im Sommer 145

Die Reichweite des Leaf ist stark von Jahreszeit und Witterung abhängig. Winterliche Kälte mindert die Energieabgabe aus dem Akku. Zusätzlich fordert die Heizung etliche Kilowattstunden für sich. Die Klima-Anlage im Sommer braucht nicht so viel Energie. An einem Wintertag bei -5°C und Durchschnittstempo 90 km/h komme ich mit einem vollen Akku 100 km weit, im Sommer sind es bei gleicher Geschwindigkeit 145 km.

Mehr Komfort durch Fernzugriff

Besonders praktisch finde ich den – leider nicht jederzeit funktionierenden – Fernzugriff auf das Auto per Computer oder Smartphone: So kann ich, etwa im Gasthaus sitzend, online den Ladezustand des Akkus abfragen … vom Frühstückstisch aus die Batterie fertig aufladen, weil ich plötzlich einen Ausflug vorhabe … bequem vom Sofa aus Heizung oder Klimaanlage einschalten. So erspare ich mir wenig später Eiskratzen im Winter und Schwitzen im Sommer.Und das Beste: Für all das verwende ich Strom aus dem Netz, bevor ich die Fahrt antrete, und so geht kein elektrischer Kilometer verloren