14.08.2018
Business Case Ladeinfrastruktur

Wie REWE erfolgreich elektromobil wurde

Ein Unternehmen, das die Dienste von SMATRICS schon längere Zeit zu schätzen weiß, ist die REWE International AG. Das Unternehmen, unter dessen Dach Marken wie BILLA, MERKUR, ADEG und PENNY firmieren, begann bereits im Jahr 2009 Ladestationen für die Elektroautos seiner Kunden zu errichten.
Elektroauto laden bei Billa

Die ersten Geschäfte, die mit Ladeinfrastruktur ausgerüstet wurden, waren MERKUR-Märkte in Kärnten, Wien und Graz sowie BILLA-Filialen in Deutsch Wagram und Perchtoldsdorf.

Das passte gut zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Um auch unsere Kundinnen und Kunden zu motivieren, konnte man an unseren Ladesäulen kostenlos Strom tanken, und zwar 100 % Grünstrom.“ erzählt Evelyn Ozinger, zuständig bei REWE für E-Mobilität und Nachhaltigkeit.

ERSTE ERFAHRUNG: OHNE LADENETZBETREIBER GEHT NICHTS

Ein Jahr später schaffte die REWE International AG auch eigene E-Autos an, genauer drei Think City. Die Fahrzeuge wurden von der inzwischen in Konkurs gegangenen Think Globals AS produziert. Sie waren als Stadtflitzer mit Platz für zwei Passagiere konzipiert und besaßen eine (theoretische) Reichweite von 160 km. „Einen dieser Think City haben wir den Kunden von MERKUR für Probefahrten zur Verfügung gestellt“. Das Ziel war schon damals: Der Elektromobilität auf die Beine zu helfen.

Schon bald war klar, dass die Akzeptanz der und Kunden noch sehr zurückhaltend war und das Projekt noch in den Kinderschuhen steckte. Mit diesen Autos wurden erste Erfahrungen gesammelt und alle „Kinderkrankheiten“ miterlebt, wie etwa: Verzicht auf Radio und Heizung im Winter, um nicht zu viel an Reichweite zu verlieren. Auch beim Laden gab es viel zu lernen.

Wir hatten damals keine Betreiber für unsere Ladepunkte und bekamen oft viel zu spät mit, wenn etwas nicht funktionierte. Das war unbefriedigend für unsere Kunden und natürlich auch für uns.

LEUCHTTURMPROJEKT ALS BASIS

Das änderte sich erst im Jahr 2012. Um die Weiterentwicklung zu unterstützen, nahm die REWE International AG nämlich an emporA teil, ein Leuchtturmprojekt der Austrian Mobile Power.

Unser Unternehmen hat dabei die Filialparkplätze zur Verfügung gestellt.“ Der Energieversorger Verbund, ebenfalls Mitglied bei Austrian Mobile Power, hat die Ladestationen errichtet. Nach Abschluss des Demonstrationsprojektes übernahm die neugegründete SMATRICS, damals eine Tochter von Verbund und Siemens, die Betreuung der Ladestationen.

Seither haben wir zusammen mit SMATRICS bei unseren Filialen 142 Ladepunkte an 49 Standorten von BILLA, MERKUR und PENNY errichtet.

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STROM IST KOSTBARES GUT

Im Zuge der Professionalisierung des Angebotes zahlen die Kunden jetzt den üblichen SMATRICSTarif. „Das führt schon gelegentlich zu Unmut. Und natürlich landen die unzufriedenen Kunden alle bei mir“ lacht Ozinger. Dann erklärt sie diesen, dass Service halt auch etwas kostet. Gibt es doch eine Hotline, die sieben Tage die Woche, rund um die Uhr erreichbar ist. Und dank digitaler Fernwartung sind die Ladestationen zudem stets einsatzbereit.

Den Menschen muss bewusst sein: Strom ist ein kostbares Gut.

E-AUTO STATT DIESEL ÜBERZEUGUNGSARBEIT BEI FUHRPARKMANAGER

Mittlerweile hat die REWE International AG bereits 33 E-Autos im Betrieb, davon 23 Dienstwagen und zehn Pool-Autos, letztere bewegen sich im Wesentlichen auf dem großen Gelände der Zentrale.

Diese Fahrzeuge werden in Bereichen wie der Sicherheit, IT und dem Qualitätsmanagement genutzt. Früher waren das Dieselfahrzeuge. Diese für ein paar 100 Meter Fahrt zu starten ist sehr umweltschädlich, da diese Autos gerade auf den ersten Metern sehr viel CO2 und Stickoxide ausstoßen. Die Elektrofahrzeuge stellen hier hingegen eine ökologisch hervorragende Lösung dar.

Das hat auch den Fuhrparkmanager überzeugt, der den Elektrofahrzeugen zunächst wegen ihrer geringen Reichweite eher kritisch gegenüberstand. „Aber das hat sich um 180 Grad gedreht“, weiß Ozinger zu berichten.

ÜBERZEUGUNGSARBEIT BEI DEN MITARBEITERN

Wie in der Bevölkerung muss auch bei den Mitarbeitern noch einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden. Noch überwiegt die Skepsis bei vielen Mitarbeitern. Diese begegnen den E-Autos oft anfänglich mit gemischten Gefühlen.

Die REWE International AG setzt finanzielle Anreize, um die Mitarbeiter zum Umstieg zu animieren.

Wir haben die E-Autos seit einigen Jahren in unserer Dienstwagen-Richtlinie. Und da steht auch drin, dass Mitarbeiter mit Dienstwagen eine monatliche Pauschale für die Abgeltung allfälliger Kosten wie Wallbox oder privates Laden bekommen – und das sogar 14 mal im Jahr. Das ist dann zusätzlich mit dem vom Gesetzgeber auf null gesetzten Sachbezug ein wirklich starkes Argument für den Umstieg.

DIE CRUX MIT DER REICHWEITE

Dass sich trotzdem nicht mehr Mitarbeiter für ein E-Auto entscheiden, liegt vor allem an der Reichweitenproblematik. Vor allem die Vertriebs- und Außendienstmitarbeiter müssen weitere Strecken fahren. Ein Elektroauto kommt auf der Landstraße weiter als auf der Autobahn, denn bei hohem Tempo sinkt die Reichweite sehr schnell.

Weil die Dienstautos auch für Urlaubsfahrten genutzt werden dürfen, fürchten manchen Mitarbeiter auch hier Nachteile."

Da sich die Reichweite der Fahrzeuge stetig verbessert, die Ladenetze immer enger geknüpft werden, kann man diesbezüglich für die Zukunft optimistisch sein. Trotzdem rät Ozinger: „Bevor ein Unternehmen Elektromobilität ausrollt, ist die Ersatzmobilität zu überlegen - etwa für längere Dienstfahrten oder den Urlaub der Mitarbeiter.

TRANSPARENZ IST ALLES

Manche Unternehmen, die Mitarbeitern Elektromobilität anbieten, vergessen dabei, die Betroffenen selbst mit ins Boot zu holen.

Es ist wichtig, dass man vor der Entscheidung mit dem Mitarbeiter alle Details bespricht“ weiß Ozinger. Dazu gehört auch, dass man abklärt, ob der Mitarbeiter überhaupt die Möglichkeit hat, das Fahrzeug zu Hause zu laden. Denn es kann nicht immer garantiert werden, dass er das E-Auto in der Firma „auftanken“ kann, etwa wenn alle Ladestationen besetzt sind.

Bei der Bestellung der Fahrzeuge gibt es zudem die eine oder andere Klippe zu umschiffen. „Bei manchen Herstellern muss man die CCS-Ladebuchse extra bestellen. Es ist auch sinnvoll, eine zusätzliche Wärmepumpe für die Wagenheizung mit zu ordern, damit die Heizung sich weniger negativ auf die Reichweite auswirkt. Das haben wir auch erstmal lernen müssen.

WEG WIRD FORTGESETZT

Ökologische wie wirtschaftliche Gründe motivieren REWE International AG den Weg der Elektromobilität weiterzugehen. „Wir haben schon acht weitere Fahrzeuge bestellt und passen unsere Infrastruktur weiter an. Wir bemerken auch, dass das Interesse steigt. Wir evaluieren gerade den weiteren Bedarf. Wir bleiben jedenfalls dran, denn E-Mobilität bringt allen etwas“ ist Ozinger überzeugt.

FAZIT

Der Umstieg auf Elektromobilität gelingt nicht von heute auf morgen. E-Autos stellen an den Fuhrparkmanager andere Anforderungen, als solche mit Verbrennungsmotoren. Es ist dabei sinnvoll, sich an den Erfahrungen zu orientieren, die andere Unternehmen bereits gemacht haben. Vor der Anschaffung von E-Autos sollten in jedem Fall alle Details auch mit den Mitarbeitern besprochen und geplant werden.

 

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