01.03.2016

Auf einen Kaffee mit... Peter Koch
„Eine meiner klügsten Entscheidungen.“

Zu wenig Reichweite, nicht alltagstauglich, zu teuer – wenn es um das Thema Elektromobilität geht, sind die Urteile oft von Beginn an klar. Dass E-Mobilität aber trotzdem funktioniert und bereits im Alltag österreichischer Unternehmen angekommen ist, beweisen unter anderem Firmen wie die Spenglerei Koch in Wien. Vor rund 3 Jahren wurde der gesamte Fuhrpark elektrifiziert - mit positiven Auswirkungen auf die (Umwelt)-Bilanz.
Peter Koch beim Aufladen des E-Autos

Wer die Spenglerei Koch im Herzen des 16. Wiener Bezirkes besucht merkt schnell: Hier handelt es sich um kein normales Unternehmen. Denn die im Jahr 1864 gegründete Spenglerei arbeitet seit 2013 dank einer neuen PV-Anlage am Firmendach und der Anschaffung eines emissionsfreien E-Fuhrparks nahezu CO2-neutral – und zwar in Mitten eines Wohngebietes.

Der Kopf dahinter ist Peter Koch: erstklassiger Spenglermeister, Visionär und Wegbereiter, Pionier und Innovator. Vor rund 3 Jahren hat der Wiener Unternehmer den Entschluss gefasst, seinen Spenglereibetrieb mit rund 30 Mitarbeitern unter dem Motto "#CHANGE" auf ein neues, nachhaltigeres Zeitalter umzustellen. SMATRICS hat sich mit dem E-Pionier auf einen Kaffee getroffen, um über seine Beweggründe zu sprechen und warum heimische Unternehmer auf einen voll-elektrischen Fuhrpark umstellen sollten.

Herr Koch, Sie haben sich vor rund 3 Jahren dazu entschieden, einen voll-elektrischen Fuhrpark anzuschaffen. Wie kam es dazu?

Die Umstellung war vielmehr ein Prozess als eine spontane Entscheidung. Der anfängliche Beweggrund war ganz klar mein nachhaltiges Denken: Ich wollte einfach die Welt, in der ich lebe und arbeite besser - oder zumindest nicht schlechter - hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe. Das bin ich meinen Kinder schuldig. Als sich die Idee konkretisierte und auch meine Familie dahinter stand, ging es relativ rasch. Ein Bleistift und ein Blatt Papier reichten beim Entscheidungsprozess aus - denn die wirtschaftliche Rechnung ist vor allem eines: langfristig positiv. Heute haben wir bereits sechs Renault Kangoo Z.E, einen Renault Zoe, einen Renault Twizy und einen BMW i3 im voll-elektrischen Firmenfuhrpark.

Können Sie die wirtschaftlichen Vorteile etwas konkretisieren?

Durch unsere PV-Anlage am Firmendach arbeiten wir nahezu energieautark. Außerdem hat sich die E-Fahrzeugflotte im Gebrauch schnell amortisiert, denn während ich vorher monatliche Spritkosten von 2.000 – 3.000€ hatte, verbuche ich heute zwischen 150 – 200€ Stromkosten im Monat. Das ist weniger als 1/10 der ursprünglichen Spritkosten! Desweiteren haben sich die Wartungskosten der Fahrzeuge mehr als halbiert. Eine Firmenflotte mit Verbrennungsmotoren hat uns 2x jährlich zwischen 4.000 – 6.000€ gekostet. Die einzige Wartungsarbeit, die wir heuer bei unseren Elektrofahrzeugen durchführen mussten, war der Reifenwechsel-Service im Spätherbst – was soll denn bitte sonst bei E-Autos gewartet werden?

Peter Koch mit Mitarbeiter Martin am Firmengelände der Spenglerei in Wien
Im Bild v.r.n.l.: Peter Koch mit Mitarbeiter Martin am Firmengelände der Spenglerei in Wien

Waren Ihre Mitarbeiter anfangs skeptisch? Was denken sie heute?

Ja natürlich. Mein Mitarbeiter Martin fährt beispielsweise jeden Tag mit dem Firmenwagen nach Wiener Neustadt und zurück. Das sind zwischen 110 – 120 km am Tag. Was glauben Sie wie skeptisch er da am Anfang war? Es gab und gibt auch heute noch ab und zu Diskussionen bei uns im Team, vor allem mit neuen Mitarbeitern. Doch sobald diese ein E-Auto zum ersten Mal gefahren sind, wollen sie gar nicht mehr aussteigen.

Würden Sie diesen Schritt also nochmals machen?

Absolut! Heute rentiert sich die Anschaffung einer voll-elektrischen Firmenflotte auch ohne Förderungen. Denn dank der Steuerreform sparen sich Unternehmen in Österreich bereits bei der Anschaffung der E-Fahrzeuge rund 20% der Kosten. Und der Sachbezugsentfall hilft den Arbeitnehmern auch sehr. Von der Relevanz des Themas Klimawandel ganz zu schweigen

Was halten Ihre Kunden und befreundete Unternehmen von der E-Firmenflotte?

In meiner Branche weiß jeder, dass ich elektrisch fahre. Viele Unternehmer beneiden mich für den Mut, andere wiederum belächeln uns. Wobei ich sagen muss, dass wir hier in unserer Umgebung bereits sechs andere Unternehmen von Elektromobilität überzeugen konnten. Da sind nicht nur Spenglereien dabei, sondern auch Schlosser und sogar ein Fleischermeister. Die Leute fahren, sobald sie ein E-Auto mal getestet haben, unglaublich gerne damit und wollen gar nicht mehr aussteigen. Außerdem ist Elektromobilität meiner Meinung nach ein zentrales Element um den Abzug von Unternehmen aus dem Wiener Stadtgebiet zu stoppen. Denn der Lärm und die Emissionen einer gewöhnlichen Firmenflotte sind eine enorme Last für die Anrainer. Die Nachbarn hier bei uns in Ottakring schätzen unsere emissions- und lärmfreie Mobilität und geben uns auch immer wieder entsprechendes Feedback dazu.

Bei den Kunden gab es fast nur positive Reaktionen. Sie wissen, dass wir elektrisch fahren und unterstützen uns auch dabei soweit es geht, zum Beispiel indem wir bei ihnen zu Hause kurz laden dürfen. Doch auch hier ist teilweise noch Aufklärungsarbeit notwendig.

In Wien agiert die Stadtregierung weiterhin sehr zögerlich wenn es um das Thema Elektromobilität geht. Was muss sich diesbezüglich Ihrer Meinung nach ändern?

Um E-Mobilität in Wien anzutreiben, muss ein Paket mit verschiedenen Maßnahmen geschnürt werden. Dazu gehört an erster Stelle das Parkpickerl. E-Autos sollten kein Parkpickerl zahlen müssen. Da hätte man auf einen Schlag 2.000 neue E-Autos in Firmenflotten – und zwar ganz ohne Förderungen. Der zweite Punkt wären neue Ladestationen in Anrainerzonen. Denn Unternehmen könnten dort untertags laden und die Anrainer selbst am Abend, wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen. Doch leider wird in Wien sinnloserweise jede Art des Autoverkehrs blockiert und auf den öffentlichen Verkehr verwiesen. Öffentlicher Verkehr? Wie soll man denn bitte als Unternehmen öffentlich Fahren, wenn es in den öffentlichen Verkehrsmittel verboten ist Arbeitsmaterialien zu transportieren, geschweige denn Lieferungen durchzuführen? Da sieht man doch wiedermal die Blindheit der Politik.

Nichtsdestotrotz hat sich bereits einiges in der heimischen Elektromobilitätsbranche getan. SMATRICS hat ein flächendeckendes Hochleistungsladenetz aufgebaut, die Zulassungen der Elektroautos haben sich verdoppelt…

Ja, es hat sich wirklich unglaublich viel getan in den letzten 3 Jahren. Vor allem SMATRICS hat in der heimischen Elektromobilitätsbranche sehr viel bewegt. Denn dank des Ladenetzes kann ich jetzt problemlos lange Strecken durch ganz Österreich fahren. Und auch im Stadtgebiet nutzen wir die SMATRICS Highspeed Ladestationen, vor allem nach Feierabend. Was ich an SMATRICS so sehr schätze, ist die Tatsache, dass sie so unbürokratisch an die Sache herangegangen sind, und das gemacht haben was nötig war um Elektromobilität in Österreich alltagstauglich zu machen. Dazu gehören auch die neuen Prepaid-Tarife und die Freischaltung via Smartphone – ein wirklich toller Service, den ich selbst schon benutze.

Was wird sich im österreichischen Elektromobilitätssektor demnächst ändern?

Ich glaube, dass 2016 ein erster Schub an neuen E-Firmenfahrzeugen in Österreich kommen wird. Immer mehr Unternehmer überlegen sich aus ökologischen und ökonomischen Gründen den Umstieg auf E-Mobilität. Dabei wird das Thema Service und Lademanagement immer wichtiger. Denn ab zwei E-Fahrzeugen ist es sinnvoll, ein intelligentes Ladesystem im Unternehmen zu installieren, um die Spitzenlasten abzufangen. Als ich angefangen habe, gab es ein solches Know-How und Service ja noch gar nicht. SMATRICS ist hier mit Sicherheit ein optimaler Partner – denn einerseits hat sich das Unternehmen durch den Ausbau des bundesweiten Ladenetzes ein einmaliges Know-How aufgebaut, andererseits stehen mit Siemens und Verbund zwei sehr starke Mutterkonzerne im Hintergrund, was vor allem im Energiebereich eine zentrale Rolle spielen wird. Eine perfekte Service-Grundlage für Unternehmen, die den Schritt in die Elektromobilität wagen möchten.

Eine letzte Frage noch: Was raten Sie anderen Unternehmen, die an die Anschaffung eines E-Fuhrparkes denken?

Einen Bleistift und ein Blatt Papier in die Hand nehmen und mit dem Rechnen beginnen! Das hat auch bei den Unternehmen in der Nachbarschaft geholfen.