02.08.2016

Auf einen Kaffee mit... Michael-Viktor Fischer
"Wie Popcorn im heißen Topf."

SMATRICS hat mit seiner flächendeckenden Ladeinfrastruktur einen unverzichtbaren Beitrag zur Verbreitung von Elektromobilität in Österreich geleistet. Seit über 3 Jahren lenkt Michael-Viktor Fischer als Geschäftsführer die Geschicke von Österreichs führenden Elektromobilitätsdienstleister. Im Interview erzählt der gebürtige Wiener wie sich der heimische Elektromobilitätssektor in den letzten Jahren entwickelt hat und wo er diesen zukünftig sieht.
Kann auf 15 Jahre internationale Marketing- und Vertriebserfahrung im Automobilsektor zurückblicken: Michael-Viktor Fischer
Kann auf 15 Jahre internationale Marketing- und Vertriebserfahrung im Automobilsektor zurückblicken: Michael-Viktor Fischer

Zum Einstieg einmal eine etwas andere Frage: Für wen ist ein Elektroauto auf gar keinen Fall geeignet?

Die Autowahl ist immer eine sehr persönliche Angelegenheit. Sachlich betrachtet, spricht jedenfalls nichts mehr gegen die elektrifizierte Mobilität. Wer häufig sehr lange Strecken zurücklegen muss, kann dies mit einem Plug-in-Hybridfahrzeug auf kosten- und umweltschonende Art tun. Bei reinen Elektroautos sind Reichweiten von 250 bis 300 Kilometern Stand der Technik, Tesla bietet bereits eine Reichweite von 550 Kilometern. Wenn Sie das damit vergleichen, dass 95 Prozent aller Fahrtstrecken weniger als 90 Kilometer lang sind, zeigt das die mehr als ausreichende Alltagstauglichkeit. Außerdem sind sich Experten und Wissenschaftler einig, dass die Leistungsfähigkeit der Akkus in den kommenden Jahren rasch zunehmen wird – und das bei gleichzeitig sinkenden Kosten. Da hat sich in den vergangenen Jahre bereits sehr viel getan.

Wenn das Elektroauto oder der Plug-in-Hybrid doch einmal aufgeladen werden müssen...

... [lacht] kommt SMATRICS ins Spiel. Als führender E-Mobility-Provider haben wir es uns zum Ziel gesetzt, in ganz Österreich ein flächendeckendes Ladenetz aufzubauen. Das ist uns im vergangenen Jahr gelungen. Heute finden unsere Kunden im Umkreis von maximal 60 Kilometern eine öffentlich zugängliche Ladestation, deren Strom zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie gewonnen wurde. Außerdem liefern wir sogenannte „Wallboxes“, die Elektroautofahrer in der eigenen Garage montieren können, sowie Ladestellen für den innerbetrieblichen Einsatz.

Wie lang dauert ein Ladevorgang an den Ladestationen?

An unseren 50-Kilowatt-Schnellladestationen, die mit Gleichstrom arbeiten, wird ein marktübliches Fahrzeug in 20 bis 25 Minuten geladen. Ladestationen mit Dreiphasen-Wechselstrom bringen es auf bis zu 22 Kilowatt Leistung, sodass der Ladevorgang rund eine Stunde dauert. Als effiziente Lösung für das eigene Fahrzeug, das über Nacht am heimischen Garagenplatz steht, bieten wir darüber hinaus unsere Wallbox an. Sie ermöglicht einphasiges Laden mit einer Leistung bis zu 3,7 Kilowatt, sodass ein gängiger Akku in sechs bis sieben Stunden geladen werden kann.

Und wie viele Ladestationen betreibt SMATRICS mittlerweile?

Unser öffentliches Netz umfasst aktuell rund 200 High-Speed Ladepunkt mit 43 beziehungsweise 50 Kilowatt sowie 200 22-Kilowatt-Ladepunkte. Dieses Netz wird an hochfrequentierten Standorten verdichtet. Hinzu kommen immer mehr Ladestationen für private und gewerbliche Anwender. Da haben wir von Anfang an Pionierarbeit in Österreich geleistet...

Wie funktioniert das Laden an den Ladestationen?

Geladen wird mittlerweil ganz einfach per Handy nach einer Registrierung direkt an der Station oder per SMATRICS-Kundenkarte. Unseren Kunden bieten wir mit „Single NET“, „Smart NET“ und „Active NET“ drei Tarifmodelle für unterschiedliche Bedürfnisse an. Bei Single Net gibt es keine Bindung und keine Grundgebühr, dafür sind die Preise pro Lademinute höher. Wer öfters als zwei oder drei Mal pro Monat an einer öffentlichen Ladestation „tankt“, ist daher mit Smart Net besser beraten. Den Tarif Active Net empfehlen wir ab acht Komplettladungen pro Monat beziehungsweise bei einem Tesla mit seiner besonders großen Batteriekapazität schon ab zwei monatlichen Ladungen.

Wie sehen Ihre Lösungen für Firmenkunden aus?

Wir schnüren individuelle Pakete für Unternehmen und Gemeinden, bei denen wir uns ganz an den Bedürfnissen der Kunden orientieren. Wer laden darf, ob der Ladevorgang gratis ist oder welcher Tarif verrechnet wird, auf welche firmeninterne Kostenstelle die Ladungen allenfalls gebucht werden, zu welcher Zeit geladen werden kann – all das legen wir gemeinsam mit den Kunden fest. Unser Rundum- Service beginnt bei der Errichtung der Ladestationen und reicht über Wartung und Reporting bis zur rund um die Uhr erreichbaren Hotline. Lassen Sie mich dazu ein Beispiel aus der Praxis nennen: Wenn ein Hotelier in seiner Garage eine Ladestation installieren lässt, kann er selbst entscheiden, ob er diesen Service den Gästen kostenlos zur Verfügung stellt oder ob das Laden des Fahrzeugs in der Zimmerrechnung inkludiert ist.

Lange Zeit war davon die Rede, dass unterschiedliche Elektroautos unterschiedliche Ladestationen benötigen.

wir haben diese Sorge früh erkannt und schnell behoben: Denn bei SMATRICS gehört diese Sorge der Vergangenheit an. An unseren Stationen kann jedes am Markt befindliche Elektroauto geladen werden.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Wie viele Elektroautos werden in einigen Jahren auf unseren Straßen unterwegs sein?

Eine konkrete Zahl zu nennen, ist natürlich schwierig. Doch 2015 sind die Neuzulassungen von rein elektrisch betriebenen Pkw um 31 Prozent, jene von Hybridfahrzeugen um 30 Prozent und jene von Plug-in-Hybriden sogar um mehr als 181 Prozent gestiegen. Dieser Trend setzt sich heuer noch schneller fort – auch deshalb, weil betrieblich genutzte Elektrofahrzeuge seit dem Jahresbeginn generell vorsteuerabzugsberechtigt und von der Sachbezugsberechnung ausgenommen sind. Mittelfristig zwingen die CO2-Vorgaben der EU die Autohersteller geradezu dazu, Elektroautos in den Markt zu bringen. Mit einem Augenzwinkern kann man die Elektromobilität mit der Zubereitung von Popcorns vergleichen: Sobald die Temperatur steigt, beginnt es zu poppen. Genau das erleben wir derzeit, auch aufgrund des Klimawandels.