07.07.2016

Auf einen Kaffee mit... Erich Josef Lux
Österreichs Bausektor denkt um

Bauwirtschaft und Automobilindustrie: zwei Branchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass auch Bauträger, Architekten und Immobilienverwalter auf das veränderte Mobilitätsverhalten von Kunden reagieren und sich auf die Einführung von Elektromobilität im Alltag vorbereiten müssen. Die Firma LuxBau aus Hainfeld in Niederösterreich hat diesen Schritt bereits vor 5 Jahren gemacht. Wir haben mit dem Geschäftsführer Erich Josef Lux über E-Mobilität am Bau gesprochen.
vollelektrischen Firmenfuhrparks
LuxBau Mitarbeiter mit einem Teil des vollelektrischen Firmenfuhrparks

Wann haben Sie sich als Baufirma für einen vollelektrischen Fuhrpark entschieden?

Der Umstieg auf einen teilweise vollelektrischen Fuhrpark wurde durch unseren Energiebotschafter und Mitarbeiter Andreas Ranftl initiiert. Er hatte sich seit längerem mit einem möglichen Umstieg auf einen CO2-neutralen Fuhrpark beschäftigt. Vor rund 5 Jahren fiel schließlich der Entschluss ein erstes E-Auto in den Fuhrpark aufzunehmen. Heute bereuen wir diese Entscheidung keine Sekunde. Ganz im Gegenteil: unser E-Fuhrpark wurde in den letzten Jahren aufgestockt. Mit unserem ersten E-Auto, einem Citroen C-Zero, haben wir schon über 130.000 Kilometer geräuschlos und CO2-frei zurückgelegt - darauf sind wir stolz.

Was spielte bei dieser Entscheidung eine Rolle?

Anfangs stand mit Sicherheit ein ökologischer Antrieb im Mittelpunkt unserer Überlegungen. Wir wollten einfach wissen welchen Beitrag wir als Baufirma für eine nachhaltige Umwelt leisten können. Das war der Ausgangspunkt vor 5 Jahren. Die ökonomischen Überlegungen kamen dann schließlich sehr schnell im zweiten Schritt. Und zwar als wir merkten, dass die Betriebs- und Wartungskosten der E-Fahrzeuge weit unter jenen von herkömmlichen Fahrzeugen liegen. Nach rund einem Jahr stand dann rasch fest, dass wir weitere E-Fahrzeuge anschaffen. Mittlerweile haben wir 3 vollelektrische Transporter und 5 E-PKWs in unserem Firmenfuhrpark. Das ist nur ein kleiner Beitrag, den wir als Bauunternehmen für die Umwelt machen können. Und dabei sparen wir sogar Kosten. Unternehmen in Österreich haben heute keine Ausreden mehr wenn es um einen vollelektrischen Firmenwagen geht, denn Fördermittel und Steuererleichterungen nehmen jeder Kostendiskussion den Wind aus den Segeln.

Und haben Sie bereits eine Kosten-Nutzen-Rechnung firmenintern gemacht?

Bisher haben wir mit unserem vollelektrischen Fahrzeugen im Firmenfuhrpark über 300.000 Kilometer zurückgelegt – da benötigt man keine Kosten-Nutzen-Rechnung. Denn es ist klar, dass wir uns damit einiges an Wartungs- und Benzinkosten sparen.

Elektroautos

Wie war das Feedback zu Beginn?

Das Feedback war von Anfang an sehr positiv. Klar gab es immer schmunzelnde Gesichter, anfangs vor allem bei anderen Unternehmen aus der Baubranche. Doch einige von denen fragen mittlerweile selbst nach Tipps und Ratschlägen und nach einer Probefahrt verwandelt sich jedes Schmunzeln in ein begeistertes Lächeln. Die größten Skeptiker waren die eigenen Mitarbeiter, was für mich auch verständlich war. Denn sie waren es, die ihr Fahr- und Tankverhalten ändern mussten. Da haben uns Fuhrparkanalysen mit sogenannten Trackinggeräten sehr geholfen. Es ist wichtig, dass das Fahrverhalten im täglichen Betrieb festgehalten wird und man den Mitarbeitern nachher sagen kann: schaut, hier steht es schwarz auf weiß, diese Strecke schafft man problemlos auch mit einem E-Auto.

Und was sagen Ihre Kunden?

Auch dort war das Feedback von Anfang an positiv. Bei Terminvereinbarungen für Besichtigungen haben wir von Anfang an stets gefragt ob es eine Lademöglichkeit vor Ort gibt. Da hat bisher noch niemand nein gesagt.

Was raten Sie anderen Unternehmen aus dem Bausektor?

Vorausdenken. Man muss vorausdenken und zwar in jeglicher Hinsicht. Nur wer das schafft, wird auch langfristig profitabel arbeiten. Denn einerseits muss beim Fahrprofil vorausgedacht werden, andererseits auch bei der Planung und Umsetzung von nachhaltigen Bauprojekten.

Was meinen Sie damit konkret?

E-Autos darf man halt nicht nur mehr alle 2 Wochen tanken fahren, sondern das E-Fahrzeug sollte immer dann angesteckt werden, wenn es sowieso steht. Und das ist in unserem Sektor gar kein Problem. Denn bei Baustellen ist fast immer ein Starkstromanschluss vorhanden. Und dank Ladequipment wie dem SMATRICS Ladekabel ist das kein Problem: einfach parken, Fahrzeug am CEE-Stecker anschließen und nach Feierabend vollgeladen zurück ins Unternehmen fahren. Dieses Tankverhalten lässt sich im Alltagsgebrauch schnell und problemlos angewöhnen. Und falls es keine Lademöglichkeit am Bau geben sollte gibt es immer noch genügend öffentliche SMATRICS Ladestationen in der Umgebung.

Und warum sollten gerade Bauunternehmen vorausdenken?

Elektromobilität wird in naher Zukunft auch den Bausektor in zweierlei Hinsicht umkrempeln. Einerseits wird das Thema Elektromobilität und Nachhaltigkeit für Kunden immer wichtiger, andererseits kann gerade im bauwirtschaftlichen Fuhrpark dank Elektromobilität nachhaltiger Umweltschutz betrieben werden. Die rasant steigenden Zulassungszahlen zeigen, dass das Umdenken bei Kunden rascher voran geht als vermutet. Bauprojekte mit Ladepunkten werden daher zukünftig nicht nur ein Kundenwunsch, sondern schlicht und einfach Standard werden. Daher sollten Bauträger und Architekten bereits heute diese Entwicklung mitberücksichtigen.

Wie ist Ihre Erfahrung bei der Planung von Bauprojekten?

Es gibt bereits Bundesländer, in welchen bei der Planung von Bauprojekten die Vorrichtungen für Ladepunkte von E-Autos gesetzlich vorgeschrieben ist. In Niederösterreich beispielsweise muss ab einer Größe von 25 Parkplätzen mindestens 1 Parkplatz mit Lademöglichkeit bzw. –Anschluss eingeplant werden. Erfahrungsgemäß erkennen Baugenossenschaften die Wichtigkeit der Elektromobilität bereits früher als andere Bauträger. Jedenfalls wird den meisten Bauträgern die Wichtigkeit von Ladepunkten schnell klar, wenn diese ihnen erstmal erklärt werden.

Das Bauprojekt "Grüne Ufer"
Das Bauprojekt "Grüne Ufer" vom Architekturbüro Raumkombinat sieht unter anderem auch ein E-Carsharing-Konzept vor

Gibt es bereits Vorzeigeprojekte von LuxBau?

Einzelne Ladepunkte (Wallboxen) haben wir bereits in verschiedenen Bauprojekten umgesetzt. Ein größeres Genossenschaftsprojekt für Wohnen und betreutes Wohenn ist derzeit in Hainfeld in Planung. Dort sind auch Lademöglichkeiten für E-Autos geplant. Ein anderes Wohnprojekt namens "Grüne Ufer", der Name stammt von "Raumkombinat", einer Gruppe junger Architekten, die den von uns ausgeschriebenen Architekturwettbewerb gewonnen haben, ist ebenfalls in Planung. "Grüne", elektrische Mobilität passt zu den Grundgedanken, die wir von LuxBau für dieses Projekt vorgaben: ökologisch, innovativ aber auch ökonomisch. Insofern wollen wir ein elektrisches "Poolauto" mit anbieten, welches von allen zukünftigen Bewohner/innen (voraussichtlich 7 Wohneinheiten) gemeinsam genutzt werden kann.