21.01.2019

Mit starkem Partner und Know-How zum eigenen Ladenetz

Die ÖBB unter Strom: Bis Ende 2018 sollen an 40 Park & Ride Anlagen jeweils zwei bis vier Ladepunkte für Elektroautos errichtet werden. Partner ist der E-Mobility-Spezialist SMATRICS. ÖBB Projektleiter Michael Gerin über die Rolle der ÖBB als Klimaschützer, komplexe Projekte und die Erfahrungen beim Aufbau eines eigenen Ladenetzes.

Die Bahn nutzt auf der Schiene bereits seit langem Strom als saubere Energie. Was hat sie motiviert sich jetzt auch um die Elektromobilität auf der Straße zu kümmern?
Als größtes Klimaschutzunternehmen Österreichs verstehen sich die ÖBB als Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel. Wir wollen unseren Kunden ein umweltfreundliches Reiseerlebnis bieten und das bereits ab der Haustüre. Daher haben wir uns entschlossen in den P&R Anlagen Lademöglichkeiten für Elektroautos zu errichten. Aber auch ohne eigenes Elektroauto gibt es die Möglichkeit, die letzte Meile elektrisch betrieben zu absolvieren. Unser Carsharing Rail&Drive wird laufend um E-Autos erweitert.

Wer ist die Zielgruppe ihrer Aktivitäten?
Natürlich die Kunden der ÖBB.

sie haben zwei unterschiedliche Netze geplant? Warum?
Mit zwei Netzen können wir bestmöglich unsere Anforderungen erfüllen. Einerseits für unseren internen Firmen Fuhrpark sowie den ÖBB Carsharing Anbieter Rail&Drive, aber auch für unsere Kunden die auf unseren P&R Anlagen mit ihren eigenen E-Autos nun Lademöglichkeiten bekommen.

Was erwarten Sie sich von Ihrer neuen Rolle als Ladenetz-Anbieter?
Als Ladenetz-Anbieterr wollen wir ein weiteres attraktives Zusatzangebot an unsere Bahnkunden richten, um die nachhaltige Mobilitätskette zu schließen und umweltfreundliche Lösungen für die erste und letzte Meile anzubieten. Unsere Bahnhöfe sollen damit weiter zu einem multimodalen Mobilitätshub ausgebaut werden.

Glauben Sie, dass die Aktivitäten auch einen Image-Gewinn bringen?
Die ÖBB sind bereits der größte E-Mobility-Anbieter Österreichs: Mit unseren Lokomotiven transportieren wir täglich 1,3 Millionen Menschen und 300.000 Tonnen Güter pro Jahr, dadurch werden 3,5 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Und seit diesem Sommer heißt es bei den ÖBB: Bahnstrom ist grüner Strom – und das zu 100 Prozent! Seit Juli 2018 decken wir unseren Bahnstrombedarf komplett mit erneuerbaren Energieträgern – mehrheitlich aus Wasserkraft. Auf dem Weg zum CO2-neutralen Konzern wollen wir weiter die vorgelagerten Emissionen reduzieren. Die Umweltaspekte stehen für uns im Vordergrund.  Der Image-Gewinn ist dabei ein schöner Nebeneffekt.

Wenn ich ein Elektroauto fahre, wie kann ich dann Ihre Ladestationen nutzen?
Einfach einmalig unter oebb.smatrics.com registrieren und schon kann das Elektroauto geladen werden. Unseren Vielnutzern empfehle ich die ÖBB-Ladekarte, aber auch das Laden mittels Smartphone und Kreditkarte ist möglich.

Haben Sie spezielle Werbeaktionen geplant, um die Bevölkerung auf ihr neues Angebot hinzuweisen?
Unser Angebot wird österreichweit über die Social Media Kanäle der ÖBB sowie unsere Website – oebb.smatrics.com – beworben. Gezielte, und somit regionale Werbe-Aktionen, gibt es bei Eröffnungen von E-Lademöglichkeiten.

Achtzehn Standorte sind bereits in Betrieb, wie ist die bisherige Resonanz auf Ihre Aktivitäten?
Unser Angebot wird bisher gut angenommen und die Rückmeldungen sind sehr positiv.

 

Mann lädt Elektroauto

Für den Aufbau ihres Ladenetzes haben Sie sich für SMATRICS als Partner entschieden. Was gab dafür den Ausschlag?
Als Sektorenauftraggeber sind wir verpflichtet Ausschreibungen durchzuführen. SMATRICS hat sich durchgesetzt und als Bestbieter dieses Verfahren für sich entschieden.

Können Sie uns ein wenig darüber erzählen, wie die Zusammenarbeit abgelaufen ist? Wie lange hat es von der Idee bis zur ersten funktionierenden Ladesäule gedauert?
Die Idee, dass die ÖBB-Infrastruktur E-Ladestationen an den Bahnhöfen anbieten möchte, ist bereits im Frühjahr 2017 entstanden. Wir haben damals einen Pilotbetrieb mit vier Standorten ins Leben gerufen. Nach einer erfolgreichen Testphase haben wir uns zu einer EU-weiten Ausschreibung entschlossen. Nach dem Zuschlag an SMATRICS im Juni 2018 wurde ein wöchentliches Jour Fixe eingerichtet um einerseits die Expertise von den eMobility-Experten bei SMATRICS mit in die Umsetzung einfließen zu lassen, aber auch um das Projekt zu koordinieren und den Fortschritt im Auge zu behalten. Bei einem großen Konzern wie den ÖBB entsteht sehr schnell eine große Komplexität mit vielen Schnittstellen und Ansprechpartnern. Trotz dieser Herausforderung konnten wir den ersten Standort feierlich bereits am 23.10.2018 beim Bahnhof Purkersdorf eröffnen.

Welchen Umfang hat das Gesamtprojekt? Wie sieht der Zeitplan aus?
Das Projekt ist mit den Nachrüstungen von 40 bestehenden P&R Anlagen beendet. Die ÖBB-Infrastruktur gehen hier jedoch noch einen Schritt weiter, denn mit Projektende geht es erst richtig los. Die Errichtung von E-Ladestationen wird zu einem standardisierten Prozess bei der Errichtung von P&R Anlagen. Ein Ausbauplan bis 2022 ist gerade in Ausarbeitung. Wir gehen hier bedarfsorientiert vor, um den Kunden zielgerichtet unser Zusatzangebot zur Verfügung zu stellen. Das bedeutet natürlich auch, dass wir regelmäßig die Auslastungen monitoren, um rechtzeitig Ladepunkte zu erweitern.

SMATRICS bietet seine Dienste nach einem Baukastenprinzip an. Welche davon nehmen Sie in Anspruch, was bringen Sie selbst in das Projekt ein?
SMATRICS übernimmt für uns die Lieferung sowie die Errichtung der Ladesäulen, den Betrieb gegenüber unseren  Kunden, aber auch die technische Betriebsführung. Die ÖBB-Infrastruktur ist für die notwendigen baulichen Vorarbeiten zuständig.

Wie haben Sie die neuen Aktivitäten bei den ÖBB eingebunden?
Die Elektromobilität auf der Straße ist ein neuer Bestandteil der ÖBB als größter E-Mobility-Anbieter Österreichs und wird in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein. Daher wurden diese Aktivitäten in unseren Strategien und auch bereits in Umsetzungsplänen implementiert.

Welche Schwierigkeiten waren bei der Projektverwirklichung zu überwinden? Und umgekehrt: Was  ist Ihnen besonders positiv aufgefallen?
E-Ladeinfrastruktur hat es bei den ÖBB bisher nicht gegeben. Daher gab es einige Hürden zu meistern, aber wirkliche Schwierigkeiten hatten wir dank kompetenten Projektmitarbeitern, Kollegen sowie starken Partnern wie SMATRICS zu keinem Zeitpunkt. Besonders positiv hervorzuheben ist der Einsatz aller Projektmitarbeiter, die hier trotz straffen Zeitplans jederzeit ihr Bestes gegeben haben. SMATRICS hat uns durch die unkomplizierte und lösungsorientierte Vorgehensweise weitergeholfen.

Was würden Sie anderen Unternehmen raten, die ein ähnliches Projekt verwirklichen wollen?
Holen Sie sich einen starken Partner und nutzen Sie dessen Know-how.